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Zehlendorfer Geschichtspolitik

Stele für Peter Lorenz geplant

 

ZEHLENDORF. Am 27. Februar 1975 ist Peter Lorenz, CDU-Politiker der ersten Stunde, in seinem Dienstwagen unterwegs. Er ist Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Plötzlich muss das Auto an der Ecke Quermatenweg/Ithweg wegen einem Lastwagen stehen bleiben.

Es wird von einem Wagen der linksterroristischen „Bewegung 2. Juni“ gerammt und der Fahrer niedergeschlagen. Lorenz selbst wehrt sich so heftig, dass die Entführer ihn mit einer Spritze betäuben müssen. Sie verschleppen ihn in einen Berliner Kellerraum. – An die Entführung möchte die CDU-Fraktion Steglitz-Zehlendorf mit einer Stele am Tatort erinnern.
Schon am 8. Februar hat Fraktionschef Torsten Hippe zusammen mit Bernhard Lücke einen Antrag erarbeitet, der am 4. April im Kulturausschuss besprochen wird. Sollte er durchkommen, könnte er in der BVV-Sitzung im Mai beschlossen werden.
Lorenz ist für die Berliner CDU ein politisches Vorbild: Er setzte sich für die Gründung der Freien Universität (FU) ein und war von 1967 bis 1975 Vizepräsident sowie von 1975 bis 1980 Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. Von 1982 bis 1987 arbeitete Lorenz gar als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeskanzler Helmut Kohl. Die geplante Stele soll aber mehr, als nur seine Verdienste rühmen.
So wünschen sich Hippe und Lücke, dass damit auch die Taten der „Rote Armee Fraktion“ in Erinnerung bleiben, die parallel zu denen der „Bewegung 2. Juni“ begangen wurden. Unerwähnt bleibt, dass Lorenz 1948 selbst Mitinitiator der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) war, die später Sprengstoffattentate und Sabotageakte in der DDR durchführte.
Mehrere KgU-Mitglieder wurden in der DDR verhaftet und verurteilt. Auch daran wollte der damalige Präsident der FU, Dieter Lenzen, erinnern, als er 2007 die Skulptur „Perspektiven“ des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. auf dem Gelände der FU in Dahlem zu einem „Freiheitsdenkmal“ erklärte.
Lorenz wurde am 3. März 1975 im Austausch für sieben linke Aktivisten freigelassen. Dass einige von ihnen später terroristisch handelten, bestärkte die Bundesregierungen, nicht noch einmal den Forderungen von Entführern nachzugeben.
Lorenz erhielt nach seinem Tod am 6. Dezember 1987 ein Ehrengrab auf dem Evangelischen Friedhof Nikolassee. Conrad Wilitzki

 

Bild: Kandidatenplakat zu den Abgeordnetenhauswahlen in West-Berlin 1971, Quelle: CDU Berlin - Wikimedia Commons von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen eines Kooperationsprojektes zur Verfügung gestellt.

 

Ressort: Politik, Kultur, Jubileen

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