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30 Jahre gemeinsames Deutschland

Ein Kommentar

Seit 30 Jahren sind die beiden deutschen Staaten vereint. Die Begeisterung der ersten Tage war nach 1990 schnell einer gewissen Nüchternheit gewichen. Manchmal gab es sogar mehr als das, nämlich Enttäuschung. Das ist ganz normal. Wenn Romeo und Julia nicht gestorben wären, dann hätten sie erleben müssen, wie die erste Euphorie gewichen wäre. Man hätte plötzlich Eigenschaften an dem anderen bemerkt, die einem vorher gar nicht so aufgefallen wären. Das eine oder andere hätte einen sogar genervt. Und so manches hätte einen auch verletzt.

Um im Roman die Illusionen der perfekten Liebe aufrecht zu erhalten, fällt nach dem Kuss deshalb oft die Klappe. In unserem Fall gab es eine dreißig-jährige Fortsetzung. Ossi und Wessi sind darüber ein älteres Ehepaar geworden. In noch einmal dreißig Jahren wird es die beiden vermutlich nicht mehr geben. Meine Kinder wissen zum Beispiel gar nichts mit der DDR anzufangen. Aber auch die alte Bundesrepublik ist ihnen vollkommen fremd, von West-Berlin ganz zu schweigen.

Was war, ist gewesen und wird zum Teil vergessen. Ist das schlecht? Ich denke, das ist ganz normal. Und Normalität ist doch etwas, was Deutschland braucht. Von allem anderen hatten wir mehr als genug in beiden deutschen Staaten und davor. Vielleicht ist das auch ein Grund zur Freude: Wir sind ein ganz normales Land geworden.

Christian Kümpel

 

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