Briefe aus dem Flüchtlingsheim

Toilettenprobleme und anderes Ungemach

REGION.   S. (Name ist der Redaktion bekannt) lebt schon seit einigen Jahren in einem Heim in TKS. Er meint, er gehöre zu den Vergessenen, besonders in diesen Corona-Zeiten. Um ihm eine Stimme zu geben, haben wir vereinbart, dass er regelmäßig für den BÄKE Courier seine Eindrücke von dem Leben im Heim und in Deutschland aufschreibt. Da sein Deutsch nicht perfekt ist, haben wir seine Berichte korrigiert, ohne den Sinn zu verändern. Seine kurzen Berichte wollen wir in unregelmäßigen Abständen in unserer Online-Ausgabe veröffentlichen, damit die Leser sich ein Bild machen können von einem Menschen, der ganz nahe lebt und doch ganz weit weg ist. Noch ein Wort zu diesem Format. Selbstverständlich erhebt er keinen Anspruch auf Objektivität. Im Gegenteil ist er sehr subjektiv. Aber vielleicht gerade deshalb sehr interessant.

der Herausgeber

 

Wer denkt schon über Toiletten nach? Doch für uns im Heim sind die Toiletten ein Dauerbrenner, denn sie sind immer schmutzig. Das liegt auch daran, dass die Heimbewohner die Regeln nicht beachten. So stellen sich einige von uns auf den Toilettenrand. Doch das ist nicht der einzige Grund für die hygienischen Probleme. Wir sind einfach zu viele. Hier kommen acht Toiletten auf 45 Flüchtlinge. Deshalb ist die Hälfte der Toiletten die meiste Zeit kaputt. Das bedeutet, es gibt noch weniger Klos, um seine Notdurft zu verrichten. Es fehlen im Übrigen Seife, Toilettenpapier und Papiertücher. Die sollen wir uns selber kaufen. Doch wovon?

Wenn man uns für ein Bett 310 Euro berechnet und drei Personen in einem 20-Quadratmeter-Raum untergebracht werden, dann heißt das 930 Euro viel Geld für den Vermieter. Für uns bleibt nichts. Überhaupt sind das Mieten, wie sie nicht mal in Kleinmachnow aufgerufen werden. Ja, wir können auch Geld verdienen. Für das ganze Heim gibt es drei Backöfen. Die Reinigung erfolgt durch einen Heimbewohner, der 80 Cent pro Stunde für seine Tätigkeit bekommt. Da kann sich jeder vorstellen, wie geputzt wird.

S.

Das abgebildete Bild wurde nicht im Heim gemacht (Foto: mattv10 Pixabay)

 

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