Briefe aus dem Flüchtlingsheim

Alkohol ist teuflisch

Briefe aus dem Flüchtlingsheim

S. (Name ist der Redaktion bekannt) lebt schon seit Jahren in einem Heim in TKS. Er meint, er gehöre zu den Vergessenen. Um ihm eine Stimme zu geben, haben wir vereinbart, dass er regelmäßig für den BÄKE Courier seine Eindrücke von dem Leben dort aufschreibt, die von uns behutsam korrigiert werden. Seine kurzen Berichte wollen wir in unregelmäßigen Abständen in unserer Online-Ausgabe veröffentlichen, damit die Leser sich ein Bild machen können von dem Menschen, der hier ganz nahe lebt und doch ganz weit weg ist. Noch ein Wort zu diesem Format. Selbstverständlich erhebt er keinen Anspruch auf Objektivität. Im Gegenteil ist er sehr subjektiv. Aber vielleicht gerade deshalb sehr interessant.

Christian Kümpel

 

Da, wo viele von uns herkommen, kann man kein Bier kaufen. Denn in der islamischen Welt ist Alkohol verpönt. Um genauer zu sein: Bier und Wein sind haram. Haram bedeutet verflucht und verboten. In Deutschland dagegen kann man Schnaps und anderer Stoff überall kaufen, sogar in Tankstellen! Das fand ich immer merkwürdig, denn es ist doch eigentlich verboten, alkoholisiert Auto zu fahren.
Billig ist der Alkohol außerdem, zumindest dann, wenn man nur gelegentlich trinkt. Für ein Bier bezahlt man bei Kaufland zum Beispiel weniger als ein Euro. Doch mit dem billigen und überall verfügbaren Stoff können viele von uns nicht gut umgehen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch die Geschichten gleichen sich meistens. Am Anfang genießt man die Freiheit in Deutschland, jederzeit trinken zu können. Doch am Ende ist man alkoholabhängig. Das gilt besonders für diejenigen, die nichts zu tun haben. Und irgendwann reicht dann das Geld auch nicht mehr, selbst wenn Bier billig ist. Darum sammelt man bald Pfandflaschen, um die Sucht zu finanzieren.

Wenn man genug Geld zusammen hat, dann trinkt man bis in den frühen Morgen und schläft tagsüber seinen Rausch aus. Es ist dabei nicht leicht zu sagen, ob jemand Alkoholiker ist. Aber wenn man von morgens bis abends trinkt und ständig unter dem Einfluss von Bier steht, dann ist das wohl schon ein Zeichen für die sogenannte Trunksucht. Dass es in Folge auch oft zu Auseinandersetzungen im Heim kommt, überrascht wenig. Denn wenn man betrunken ist, ist man manchmal fröhlich, doch oft auch aggressiv. Am Ende werde wohl einige von uns eine Therapie machen müssen, wenn sie aus dem Heim rauskommen. Denn Alkoholismus ist eine Krankheit, die behandelt wrden muss. Ich schätze so bis zu 30 Personen hier sind davon betroffen. Es ist wirklich nicht leicht, in einem freien Land zu leben, wenn man keine Perspektive hat und Alkohol im Überfluss vorhanden ist.

S.

Bild von Alexander Lesnitsky auf Pixabay

Share on facebook
Facebook