Hier darf die Biene noch „Biene“ sein

Erster Naturnistplatz für Honigbienen in Stahnsdorfer Waldorf-Kita aufgestellt

REGION. Der Honigbiene es Recht zu machen und ihre Umgebung so zu gestalten, dass sich das beliebte Insekt wirklich zuhause fühlt – diesem ehrgeizigen Ziel sind Kleinmachnower und Stahnsdorfer Waldorf-Schüler, Eltern und Lehrer ein Stück näher gekommen: Zwei Bienenbotschafter aus Hessen übergaben der Schule einen Naturnistplatz. Es ist ein Zimmermannswerk aus Douglasienholz und einem hohlen Baum nachempfunden. Im sogenannten Zeidler-Garten neben der Kita in der Wannseestraße können Kinder nun gemeinsam mit ihrer Lehrerin Anke Kunkel naturnah miterleben, wie Honigbienen lebten, bevor sie als Nutztiere von den Menschen in Beutekästen gehalten wurden.
Die Faszination, die von Honigbienen ausgeht, hat schon Wilhelm Busch in seiner Bildergeschichte „Schnurrdiburr oder die Bienen“ beschrieben. Illustriert hat er die Verse auch mit einem sechseckigen Holzklotz, an dem die fleißigen Bienen werkeln. Tatsächlich setzen die Fachleute wieder auf ein den sechseckigen Waben nachempfundenes Zuhause. Und das hat einen tieferen Sinn, erklären die beiden ehrenamtlichen Bienenbotschafter Moses und Antonio den Kindern in ihrem Bienengarten: „Wissenschaftler wollten nämlich herausfinden, was man in Zeiten, in denen Bienenvölker oft durch ansteckende Krankheiten sterben, Gutes tun kann,“ erzählt Bienenbotschafter Antonio.
Dafür haben sie wenige noch wild im Wald lebende Honigbienen beobachtetet. Hoch oben in Baumhöhlen fanden sie nistende Insekten, wohin ihnen ursprünglich nur der Bär nachklettern konnte. Erst später entdeckten Menschen den leckeren Honig und bildeten Kletterer aus, die Zeidler. Antonio ist ein moderner Zeidler im Dienste der Wissenschaft und hofft jetzt, dass im Waldorfschulgarten ein wilder Honigbienenschwarm in dem ersten betreuten Naturnistplatz der Region ein neues Zuhause findet. „Hier haben die Bienen mehr Platz und können noch Biene sein.“
Zur Bekämpfung der Varoa Milbe kann der massive Holzklotz in mehrere Teile zerlegt werden. 2500 Euro hat die Waldorf-Kita gesammelt, um diese Handwerker-Leistung anzuschaffen. Sie steht jetzt neben dem Kletter- und Zeidlerbaum und dem Bienenhaus, wo ein Bienenbastkorb von der Decke hängt. Imkern steht nicht im Vordergrund, sondern die naturnahe Haltung. „Das fliegende Klassenzimmer“ heißt ein anderes Projekt. Es öffnet den Blick der Schüler für das klassische Imkern mit einem Schaukasten, der im Klassenraum steht.
„Kinder und Bienen, das ist das wichtigste, was wir auf der Welt haben“, erklärt Waldorf-Pädagogin Anke Kunkel ihren leidenschaftlichen Einsatz. Und die Kleinmachnowerin ist längst nicht die einzige im Kindergarten, die sich für die Bienen einsetzt. Der neunjährige Jasper aus Stahnsdorf hat sogar mit seinem Opa gemeinsam sein Erspartes vom Sparbuch gespendet.
Die Zahl der Imker in unserer Region ist in Corona-Zeiten übrigens gestiegen. Während viele jetzt im Homeoffice sitzen, entdecken sie das Imkern als Hobby, weiß der Vorsitzende des regionalen Imkerverbandes, Martin Karabensch zu berichten. Und ihnen ist die Unterstützung der drei Gemeinden sicher, die das insektenfreundliche Geschehen mit der Anlage von blühfreundlichen Seitenstreifen an den Straßenrändern gerne begleiten. (Text/Foto: gm)

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