Klärwerk Stahnsdorf

BC 2/2021: Klärwerk Stahnsdorf effektiver nutzen

Wasserspiegel Brandenburger Seen sinken dramatisch

REGION. Brandenburgs CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig forderte nach einer online-Diskussionsveranstaltung mehr Einsatz für Brandenburger Seen. Ihr Vorschlag: „Wir sollten ein effek-tiveres Abwassermanagement an bedrohten Gewässern einrichten.“ Auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Die Grünen) äußerte sich im Februar dazu. Er stellte sein Niedrigwasserkonzept vor: „Brandenburg will das wenige Wasser nachhaltiger nutzen.“ Das Ziel: Niedrigwasser nachhaltig in den Griff zu kriegen. Der Grund für das Inte-resse ist schon lange bekannt: Der Wasserspiegel vieler Seen sinkt weiter, und das seit Jahren. Auch der Güterfelder Haussee droht als beliebter Badesee zu verlanden. Der Grund dafür: In Brandenburg fallen im Schnitt im Jahr 568 Millimeter Regen pro Quadratmeter, deutschlandweit sind es knapp 800 Millimeter. Dazu kommt in den vergangenen drei Jahren die steigende Verdunstung durch die Hitze-Sommer. Ganz Ostdeutschland leidet am Wassermangel, sagen Experten.

Die Lage ist sehr ernst

„Die Lage ist super-ernst“ sorgt sich der Umweltminister, ein anderer Umgang mit der Ressource Wasser sei erforderlich. Wegen der durchlässigen Sandböden in Brandenburg reagiere der Wasserhaushalt sehr schnell auf Niederschlagsdefizite. Eine weitere Verschärfung durch den Klimawandel sei zu erwarten. Als konkrete Maßnahmen nannte der Minister, überschüssiges Regenwasser besser zu speichern und die Anlage privater Brunnen zu regulieren. Das Landesnied-rigwasserkonzept entstand gemeinsam mit Landkreisen, kreisfreien Städten und den Verbänden der Gewässerun-terhaltung.

Dietmar Brose, Dezernatsleiter Hydrogeologie im Landesamt für Bergbau, erklärte den gut 70 Teilnehmern der Online-Konferenz, warum die Zunahme von Starkregenphasen die Grundwasserdepots nicht füllt: Regenwasser landet vor allem dort, wo Flächen stark versiegelt sind, in der Kanalisation. Von dort geht es ins nächste Klärwerk. Gereinigt wird es in die Flüsse, bei uns also in die Havel, gepumpt und verschwindet in einem komplexen Kreislaufsystem in Richtung Meer. Möglichst viel vom Regenwasser wollen auch die Wasserverbände hierbehalten. Gartenbesitzer sollen Niederschläge sammeln und begrünte Städte können helfen, die Verdunstung zu stoppen. Aber dies sind alles Tropfen auf dem heißen Stein, denn der Pegel der grundwassergespeisten Seen sinkt weiter. Die Grundwasser-Neubildung sinke um 25 Prozent, so Hydrologe Brose. Auch die Gemeinde Stahnsdorf entnimmt dem Grundwasser regelmäßig tausende Kubikmeter, um den Güterfel-der Badesee aufzufüllen, damit nicht passiert, was Anwohner von Groß Glienicke während der Online-Versammlung berichteten: Der Sacrower See drohe im Sommer bereits umzukippen. Bürger haben sich hier zusammengetan, um ihren Badesee zu retten. Die bisherigen Maßnahmen reichen jedenfalls nicht aus. In Michendorf ist bereits der Fresdorfer See komplett ausgetrocknet – auf den ersten Blick ist keine Spur mehr von ihm vorhanden.

Und am benachbarten Seddiner See haben sich engagierte Anwohner zusammengetan, um für Lösungen zu kämpfen. Auch in der von Saskia Ludwig moderierten Diskussion analysierten Experten und Be-troffene Lösungsansätze, um den Grundwasserspiegel zu stabilisieren und die Grundwasserneubildung zu befördern. Am besten wäre es, Abwässer nicht mehr in Flüsse abzuleiten, sondern auf Felder der Umgebung und in heimische Gewässer zu pumpen. Dies sei technisch machbar, erklärte Brose, aber auch sehr, sehr teuer – in die Reinigungsfilter müsste erheblich investiert werden. „Auf jeden Fall sollte die Wiederaufbereitung von gebrauchtem Wasser intensiviert werden“, erklärte Ludwig und verwies damit in Richtung Klärwerk Stahnsdorf, das, geht es nach den Berliner Wasserbetrieben, in den nächsten Jahren für eine halbe Milliarde Euro ausgebaut werden soll. Potsdams CDU-Abgeordneter Rainer Dallwig fasste die Bedeutung des Themas so zusammen: „Grundwasser ist der Champagner der Klimapolitik.“
gm

Bild:
Das Klärwerk Stahnsdorf mit seinem zentralen Verwaltungsgebäude als Industriedenkmal. (Foto: gm)

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