Als Tests noch 49 € kosteten

Vorgestellt: Waltraut Friese startete das erste Testzentrum der Region – inzwischen ist sie eine gefragte Testexpertin

KLEINMACHNOW. Eine schnelle Truppe seien sie, sagen die Initiatoren des Test-Kulturzentrums in Kleinmachnow, aber wie die Nachfrage in den kommenden Wochen sein wird, ist ungewiss. Ein Blick zurück zeigt, das Testen mit dem Antigen-Verfahren lief sensationell, als Impfdosen fehlten.
Drei Tage vor Weihnachten vergangenen Jahres nahm das erste Covid-Testzentrum der Region in den Neuen Kammerspielen in Kleinmachnow seinen Betrieb auf, lange vor der offiziell verkündeten Teststrategie. Röntgenbilder vom Nasen- und Rachenraum mit eingeführtem Teststäbchen sind bis heute im Foyer zu bewundern. Unter strengen Hygienevorschriften schulte der Arzt Daniel Cornely an einem Wochenende das Kernteam, darunter auch Waltraut Friese. Die selbstständige Musikpädagogin führte das Test-Team der ersten Stunde an, wo es seit einigen Wochen ruhiger zugeht. Die ehemalige intensivmedizinische Kinderkrankenschwester Waldi, wie alle sie nennen, war ein Glücksfall für den Teststation-Aufbau. In einer Zeit, als Bilder aus Krankenhäusern den Alltag prägten, organisierte sie mit Geschäftsführerin Carolin Huder hinter den Kulturkulissen ein sicheres Testzentrum.
Ohne die späteren Zuschüsse des Bundes kostete ein Test anfänglich noch 49 Euro. „Für den Aufwand, ohne Schlange zu stehen, die Wege zur Kino-Loge zwecks Ansteckungsvermeidung zu sichern, für Schutzkleidung und für das Testteam ging das Geld drauf“, erzählt Waldi. Ziel der Aktion war es auch, der Kultur etwas Gutes zu tun – und das ist gelungen. „Wir haben den Gewinn aus der Anfangszeit in eine Open-Air-Kinoanlage gesteckt“, freut sich die Chef-Testerin, die von sich selber sagt, sie mache alles, was gemacht werden muss. Tatsächlich hat sie unermüdlich angepackt und damit nicht zuletzt unzähligen Menschen die Scheu vor dem Rumstochern in der Nase genommen.
Überzeugt habe sie, dass ein Test-erfahrener Arzt das Projekt sehr professionell aufgezogen hat. „Ich habe manchmal sogar überlegt, in meinen alten Beruf zurückzukehren“, erinnert sich Waldi. Aber es seien inzwischen so viele Familien, Kinder und Eltern, die sie als Musikpädagogin begleitet und die Teil ihres Lebens geworden sind, dass sie das nicht mehr missen möchte.
Bis zu 300 Testwillige kamen täglich ins Kino. 60 Testerinnen und Tester, aber auch 40 Organisationskräfte wählte sie innerhalb der Region TKS unter Hunderten von elektronischen Zuschriften aus. Geschult wurde in den Kammerspielen. Die korrekte Abrechnung und online-Terminverwaltung hatte die Kleinmachnowerin ebenfalls fest im Blick. „Feierabend wie andere hatte ich eigentlich nie“, bilanziert die engagierte Frau. Ihre Familie unterstützte sie und sie mag die Arbeit mit Menschen, deswegen erinnert sie sich auch noch an besondere Schicksale. „Bei einer Mutter haben wir die Tests ermäßigt gemacht, sie wollte ihr schwer krankes Kind drei Mal in der Woche im Krankenhaus besuchen“, erzählt Waldi von einer Zeit, die einem schon weit entfernt vorkommt.
Es folgte die Einrichtung von acht kommunalen Testzentren in TKS nach dem Vorbild der Kammerspiele. Kostenloses Testen als vorläufiger Ersatz fürs Impfen – die eingespielten Protagonisten aus den Kammerspielen meisterten auch diese Herausforderung.
Waltraut Friese musste ihre musikalischen Früherziehungskurse in den Kammerspielen coronabedingt aussetzen. Jetzt passt sie die Gruppenarbeit an die neuen Bedingungen an. „Zuhause rumsitzen, das halte ich nicht lange aus“, sagt sie, „ich mag es, viel zu arbeiten, mich hat die Corona-Zeit nicht so sehr belastet, weil ich viel zu tun hatte und mich nicht isoliert gefühlt habe.“
Entstanden ist das erste Testzentrum im vergangenen Herbst noch als privat betriebene GbR. Die Geschäftsführerin der Kammerspiele wollte ihre Eltern besuchen und suchte anerkannte Testmöglichkeiten, wie immer mehr Menschen in der Vorweihnachtszeit. Zum Glück gehörte der Arzt und Radiologe Daniel Cornely zu den Gästen des Kleinmachnower Kulturhauses. Er bot seine medizinischen Kontakte für den Aufbau eines Test-Zentrums im gern besuchten Kino an. Und dann begann die aufregendste Zeit für Waldi: An ihr hing die medizinische Umsetzung. Fähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden, schulen und immer aus Sicherheitsgründen alle behandeln, als wären sie positiv. „Das war sehr anstrengend, aber mir hat es Spaß gemacht, schließlich konnte ich helfen, das Infektionsgeschehen einzudämmen.“
(Gm)

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Ein Glücksfall: Waltraut Friese stemmte mitten in der Hochzeit der Corona-Krise den Aufbau des ersten Testzentrums der Region. (Foto: gm)

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