Gemeindevertreter zum Green-Park
Entscheidung im Februar
Wie berichtet, wird Anfang des nächsten Jahres entschieden, wie es mit dem Green-Park weitergeht. Die BI Green-Park hatte den Gemeindevertretern Stahnsdorfs dazu ein paar Fragen gestellt. Einige wenige Gemeindevertreter haben tatsächlich geantwortet, weil sie der Meinung sind, dass man den Bürgern Rechenschaft schuldig ist. Julian Regenthal-Patzak von der FDP hat die Einwilligung erteilt, seine Antwort zu veröffentlichen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.
Christian Kümpel
Bevor ich auf die konkreten Fragen eingehe, eine Anmerkung: Ich war sehr enttäuscht über die Art und Weise der Kommunikation des bisherigen Eigentümers mit den Bestandsmietern. Hier hätte es geholfen, deutlich behutsamer, offener und lösungsorientierter miteinander umzugehen. Diese Kritik habe ich so auch mehrfach und deutlich gegenüber dem jetzigen Eigentümer kommuniziert.
Gerne beantworte die Ihre Fragen basierend auf meinem aktuellen Kenntnisstand wie folgt:
1. Verbindlichkeit der Nutzung:
Grundsätzlich befürworte ich eine gewerbliche Nutzung des Areals. Mein vordringliches Ziel ist es, zu verhindern, dass wir an dieser prominenten Stelle einen dauerhaften „Lost Place“ produzieren. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine Entwicklung des Geländes unmöglich wird, nur weil sich gegen jegliche Veränderung Widerstand formiert. Stillstand ist keine Lösung. Die bauliche Substanz ist an vielen Stellen marode. Der jetzige Eigentümer wird nicht sanieren.
2. Gewerbesteuer:
Ihre Sorge bezüglich der Steuervermeidung nehme ich ernst, allerdings zeigen Erfahrungen an anderen großen Logistikstandorten in der Region, dass dort sehr wohl signifikante Gewerbesteuereinnahmen generiert werden. Die Ansiedlung eines großen Logistikers bringt eine wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort mit sich. Pauschale Annahmen, dass Konzerne hier keine Steuern zahlen würden, decken sich nicht mit den realen Daten vieler Kommunen, die von solchen Ansiedlungen profitieren.
3. Verkehrsinfrastruktur und Belastung:
Dies ist auch für mich der entscheidende Punkt: Eine zusätzliche Belastung der Ortslage Stahnsdorf durch LKW-Verkehr darf es nicht geben. Das ist für mich die absolute Grundvoraussetzung für eine Zustimmung zur Ansiedlung eines Logistikzentrums. Dem Investor ist diese Bedingung vollkommen bewusst. Ich verweise hierzu ausdrücklich auf die öffentliche Vorstellung des Investors im Bauausschuss, in der bereits Lösungswege aufgezeigt wurden.
4. Interesse Stahnsdorfs:
Für uns als FDP ist immer klar, dass wir die Rechte der Eigentümer schützen und sowohl ihnen als auch Investoren größtmögliche unternehmerische Freiheit geben wollen. Doch genau diese Freiheit ist natürlich gebunden an das Allgemeinwohl der Stahnsdorfer, denen ich mich verpflichtet fühle. Das Gemeinwohl besteht hier in der Balance aus der Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit der Gemeinde und einer geordneten städtebaulichen Entwicklung, die niemanden unzumutbar belastet. Wenn der Investor hier „mitspielt“ bin ich dabei. Tut er das nicht, bin ich es nicht.
5. Arbeitsplätze:
Hier bin ich ehrlich zu Ihnen: Ein reines Logistikzentrum bringt vielleicht nicht in der Masse die Arbeitsplätze, die wir uns idealerweise wünschen; dies ist die „bittere Pille“, die wir bei diesem Vorhaben schlucken müssten. Allerdings – und das ist entscheidend – hat der Eigentümer im Nachgang zur letzten öffentlichen Sitzung des Bauausschusses angeboten, mehrere Flächen explizit für kleinteiliges Gewerbe neu bereitzustellen. Dies ist für mich eine Grundvoraussetzung zur Zustimmung geworden, da so auch Raum für vielfältigere Arbeitsplätze entsteht.
Wir verlangen vom Investor und erwarten vom jetzigen Eigentümer, dass entsprechende Verbesserungen der Planungen Anfang des Jahres 2026 vorgelegt werden.
Darüber hinaus ist mir wichtig: Stahnsdorf braucht weiterhin Platz für kleinteiliges Gewerbe und Freiberufler (die übrigens üblicherweise keine Gewerbesteuer zahlen). Für diesen wichtigen Teil unserer lokalen Wirtschaft werden wir mittelfristig neue Lösungen suchen und auf den Weg bringen.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen offenen Worten meinen Standpunkt verdeutlicht zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Julian Regenthal-Patzak
Gemeindevertreter in der CDU/FDP Fraktion in Stahnsdorf
Vorsitzender des FDP Ortsverbandes Stahnsdorf


