Visionen für Stahnsdorf

Neujahrsempfang und Bahnhofsentwicklung

STAHNSDORF.  Am vergangenen Sonntag lud der Verein Pro S-Bahn und sein Vorsitzender, Thomas Ehrich, zu dem mittlerweile vierten Neujahrsempfang in das Restaurant „Castagno“ ein. Mehr als 30 Gäste – darunter zahlreiche Anwohner der Sputendorfer Straße, Gemeindevertreter sowie Ole Grassow als Vertreter der Deutschen Bahn – diskutierten über eines der wichtigsten Bauprojekte der kommenden Jahre: eine Verlängerung der S-Bahn nach Stahnsdorf und die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes.

Als Gastredner konnte Leo W. A. de Man gewonnen werden. Der CEO der Kondor Wessels Gruppe sprach über die Erfolgsfaktoren einer positiven Stadtentwicklung. Seine zentrale Botschaft: Stahnsdorf benötigt dringend einen langfristigen Masterplan. „Wir brauchen eine Strategie, die über Jahre hinausgeht und das gesamte Bahnhofsgelände westlich der Iserstraße einbezieht“, so de Man. Nur so könne das Umfeld nachhaltig von der neuen Infrastruktur profitieren.

Ein besonderes Augenmerk legte der Experte auf die Zusammenarbeit aller Beteiligten. De Man warb für ein sogenanntes „Konsensmodell“. Hierbei sollen die Konzepte der Gemeinde und die Interessen von Investoren – etwa beim Bau von Sozialwohnungen – frühzeitig in Einklang gebracht werden. Um dies zu steuern, schlug er die Einrichtung einer überparteilichen Koordinierungsstelle vor. In dieser sollten Bund, Land, Nachbargemeinden wie Teltow und Kleinmachnow sowie Anwohner und Eigentümer gleichermaßen Gehör finden.

Dass die S-Bahn der entscheidende Faktor für die Wertsteigerung von Grundstücken und die Verbesserung der Nahversorgung sein wird, steht außer Frage. Dennoch mahnte de Man zu Realismus: Stahnsdorf müsse auch Szenarien durchspielen, für den Fall, dass die S-Bahn-Anbindung nicht wie geplant realisiert wird.

Für die konkrete Umsetzung gab der Bau-Experte den Gemeindevertretern sechs Leitlinien mit auf den Weg. Sein Plädoyer: „Funktionalität vor Schönheit“. Statt sich in langwierigen Entscheidungsprozessen und starren Bebauungsplänen zu verlieren, solle die Gemeinde auf flexible Teil-Bebauungspläne und zielführenden Pragmatismus setzen.

Deutlich wurde während der Veranstaltung auch, dass das Projekt nicht durchfinanziert ist. Vielmehr hängt viel davon ab, ob der Bund in Zukunft den Schienenbau noch unterstützen kann. Wie die Haushalte in zwei oder drei Jahren aussehen werden, kann aber niemand genau sagen. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg finanzieren die Verlängerung der Bahn zu 75 beziehungsweise 25 Prozent.

PM

Bild: Symbolbild  (Kü)

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