Viel Beton, wenig Ertrag
BI trifft sich am Montag
STAHNSDORF / REGION. Prologis ist im Gespräch. Geplant ist, dass die Firma sich in Stahnsdorf ansiedelt, und zwar im Green Park. Doch was bedeutet das für die Kommune? Für viele Gemeinden erweisen sich die Giganten bei genauerem Hinsehen eher als steuerliche Mogelpackung. Während die Belastung für Infrastruktur und Umwelt steigt, bleibt die Gewerbesteuer oft weit hinter den Erwartungen zurück. Ein Blick hinter die Kulissen der Steuerprivilegien.
Wenn ein neuer Logistikpark eingeweiht wird, fließen in den Reden der Lokalpolitiker meist Begriffe wie „Stärkung des Standorts“ und „wichtige Steuereinnahmen“. Doch im Jahr 2026 zeigt sich immer deutlicher: Das Geschäft mit den Hallen ist für die kommunalen Kassen oft ein Minusgeschäft. Dass Konzerne wie Prologis oder deren Mieter – etwa Amazon – trotz Millionenumsätzen kaum Gewerbesteuer vor Ort lassen, liegt an einem cleveren Zusammenspiel aus veralteten Steuergesetzen und modernen Unternehmensstrukturen.
Der Hauptgrund für die leeren Kassen ist im Gewerbesteuergesetz (§ 9 GewStG) versteckt: die sogenannte „erweiterte Gewerbesteuerkürzung“. Dieses Gesetz belohnt Unternehmen, die ausschließlich eigenen Grundbesitz verwalten. Da Firmen wie Prologis im Kern reine Vermieter ihrer Hallen sind, können sie ihre Gewinne fast vollständig von der Gewerbesteuer abziehen. Das Ergebnis: Trotz riesiger versiegelter Flächen zahlt der Eigentümer oft nahezu null Euro an die Standortgemeinde.
Zusätzlich nutzen internationale Player den Status als REIT (Real Estate Investment Trust). Diese Firmen sind auf Unternehmensebene weitgehend steuerbefreit, da die Besteuerung erst beim Aktionär erfolgt. „Das Problem ist nur“, so ein Finanzexperte, „dass die Aktionäre weltweit verteilt sitzen, die Lasten des Lkw-Verkehrs aber allein bei der Gemeinde bleiben.“
Selbst wenn die Mieter der Hallen – die eigentlichen Logistikdienstleister – Gewinne erzielen, profitiert die Gemeinde oft kaum. Das Zauberwort heißt hier „Gewerbesteuerzerlegung“. Die Steuer wird nach dem Verhältnis der gezahlten Löhne auf die Standorte verteilt.
In der Logistikhalle am Stadtrand arbeiten jedoch oft Geringverdiener oder zunehmend Roboter. Die hochbezahlten Manager und IT-Experten sitzen in den schicken Zentralen in Hamburg, München oder im Ausland. Dort landet dann auch der Löwenanteil der Steuern. Die Gemeinde, die den Boden für die Halle hergibt, wird mit den Krümeln abgespeist.
Hinzu kommt die betriebswirtschaftliche Realität: Der Bau der Megahallen verschlingt hunderte Millionen Euro. Diese Kosten werden über Jahrzehnte abgeschrieben. Zusammen mit den Zinsen für die oft hohen Kredite drückt dies den steuerlichen Gewinn über Jahre gegen Null. Für die Kommunen bedeutet das: Der Lärm und die kaputten Straßen sind sofort da, das Geld – wenn überhaupt – erst in Jahrzehnten.
Für viele Bürgermeister wird die Logistikansiedlung zum Dilemma. Man opfert wertvolle Naturflächen und belastet die Bürger mit Verkehr, erhält aber im Gegenzug kaum finanziellen Spielraum. Während Industriebetriebe früher eine hohe Wertschöpfung pro Quadratmeter garantierten, bieten moderne Logistikzentren oft nur noch eine Fassade, hinter der die Steuereinnahmen dank rechtlicher Privilegien fast lautlos verschwinden.
Wer mehr Infos sucht, ist eingeladen am 19.01. beim RSV in der Heinrich-Zille-Straße um 19.00 Uhr vorbeizuschauen. Im Sportlerheim trifft sich die Bürgerinitiative Green Park, die Wege sucht, mit den Kommunalpolitikern über das Thema ins Gespräch zu kommen.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


