Vorwand oder echte Sorge?
Ein Kommentar
Sollte sich der Vorstoß von CDU und FDP in der Gemeindevertretung Stahnsdorf durchsetzen, wird die Deutschlandflagge künftig dauerhaft vor allen öffentlichen Gebäuden wehen. Kritische Stimmen behaupten nun, eine Flagge vor Grundschulen könne geflüchtete Kinder verschrecken. Für diese These gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Es handelt sich vielmehr um eine unbewiesene Annahme, die zudem abwegig erscheint: Wer die oft belastenden Verhältnisse in Gemeinschaftsunterkünften bewältigt, wird kaum durch ein staatliches Symbol in Angst versetzt.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ausgerechnet aus Rücksicht auf Geflüchtete darauf verzichtet werden soll, die Flagge jenes Landes zu zeigen, in dem sie Schutz und eine neue Heimat gefunden haben. Tatsächlich stehen die Farben Schwarz-Rot-Gold für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und eben nicht für jene dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit, wie oft als Gegenargument angeführt werden.
Hinter dem Widerstand gegen die Beflaggung scheint oft eine tiefere Ablehnung nationaler Identität zu stehen. Viele Menschen – auch im Bildungswesen – können mit Begriffen wie Volk, Nation oder Gemeinschaft wenig anfangen und favorisieren stattdessen ein diffuses Ideal einer „Weltgemeinschaft“. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Flüchtlingskinder hier lediglich als Vorwand instrumentalisiert werden, um die eigene Ablehnung staatlicher Symbole moralisch aufzuwerten.
Ob Flüchtlinge und ihre Kinder einen Nutzen davon haben, auf diese Weise als politisches Argument missbraucht zu werden, darf bezweifelt werden. Wenn die Rücksichtnahme so weit geht, dass das eigene Land seine Identität und Symbole verleugnet, spricht man von Selbstaufgabe. Ein Zustand, den manche herbeisehnen mögen, der aber sicher nicht dem Willen der Mehrheit entspricht. Und es besteht sogar die Gefahr, dass manche nun die Kinder beschuldigen zu verhindern, dass die Flagge gehisst werden kann. Dann hätten die Kritiker das Gegenteil von dem erreicht, was sie beabsichtigten. Es wäre ihnen also zu raten, ihre Argumention noch einmal zu überprüfen und die Kinder da rauszulassen.
Herzlich
Christian Kümpel


