REGION / STAHNSDORF – Während das spiegelglatte Eis der letzten Tage die Notaufnahmen der Region an ihre Belastungsgrenzen bringt, entbrennt in der Politik ein heftiger Streit um ein weißes Mineral: Streusalz. Doch während in der Hauptstadt Berlin die Fronten aufbrechen, herrscht in der Gemeinde Stahnsdorf demonstrative Ruhe.
In Berlin ist der Einsatz von Tausalz auf Gehwegen durch das Naturschutzgesetz für Privatpersonen strikt untersagt. Angesichts hunderter Verletzter mit Knochenbrüchen fordert der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nun jedoch eine Kehrtwende. Er plädiert für Ausnahmegenehmigungen bei extremem Blitzeis, um die Sicherheit der Bürger über den Umweltschutz zu stellen. Kritiker werfen ihm vor, den Schutz von Stadtbäumen und Grundwasser leichtfertig zu opfern.
Nur wenige Kilometer weiter südlich zeigt sich ein anderes Bild. In Stahnsdorf bleibt der Einsatz von Salz auf Gehwegen gemäß der kommunalen Straßenreinigungssatzung verboten. Der Schutz von Boden und Vegetation genießt hier höchste Priorität. Zwar erlaubt die Satzung in begründeten Ausnahmefällen bei Blitzeis minimale Mengen an Gefahrenstellen, doch eine politische Initiative zur Lockerung der Regeln fehlt gänzlich.
Auffallend ist: In der Stahnsdorfer Gemeindevertretung fordert derzeit keine Fraktion eine Anpassung der Regeln zugunsten der Sturzprävention. Es scheint, als habe sich der lokale Konsens gefestigt: Die ökologische Langzeitwirkung wiegt schwerer als das akute Verletzungsrisiko. Kritische Stimmen fragen jedoch bereits, ob die Natur in der politischen Werteskala mittlerweile einen höheren Rang einnimmt als die körperliche Unversehrtheit der Anwohner.
Hintergrund: Wer in Stahnsdorf oder Berlin gegen die Räumpflicht verstößt oder unerlaubt Salz streut, riskiert empfindliche Bußgelder. Als Alternativen empfehlen die Kommunen weiterhin abstumpfende Mittel wie Sand oder Granulat, die jedoch oft wirkungslos bleiben.
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Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)