Nach jahrelanger Forderung
Potsdam-Mittelmark erhält 2027 sein erstes Frauenhaus
POTSDAM-MITTELMARK. Lange blieb der Landkreis eine Lücke auf der Landkarte des Opferschutzes, nun gibt es einen konkreten Zeitplan: Im Jahr 2027 soll das erste Frauenhaus in Potsdam-Mittelmark eröffnet werden. Damit reagiert die Politik auf eine seit Jahren bestehende Forderung und die drastisch steigenden Fallzahlen häuslicher Gewalt.
Bisher mussten schutzsuchende Frauen aus dem Landkreis auf Einrichtungen in benachbarten Städten wie Potsdam oder Brandenburg an der Havel ausweichen. Dass diese Praxis die Kapazitäten der Nachbarn massiv belastet, zeigt die Statistik: Zuletzt stammte mehr als ein Viertel der Bewohnerinnen im Potsdamer Frauenhaus ursprünglich aus der Mittelmark.
Platz für 27 Personen in sicherem Neubau
Das neue Schutzobjekt soll in einem Neubau untergebracht werden und Platz für insgesamt 27 Personen – Frauen und deren Kinder – bieten. Wer die Trägerschaft für das Haus übernimmt, steht derzeit noch nicht fest; das Auswahlverfahren für den Betreiber läuft. Um die Sicherheit der bedrohten Frauen und Kinder zu gewährleisten, wird der genaue Standort der Immobilie streng geheim gehalten.
Trauriger Rekord bei Gewaltstraftaten
Die Dringlichkeit des Projekts wird durch die aktuelle Kriminalstatistik untermauert. Im Jahr 2024 registrierte die Polizei im Land Brandenburg mit 6.790 Fällen einen neuen Höchststand bei häuslicher Gewalt. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Taten gar nicht erst zur Anzeige gebracht werden.
Blick auf das gesamte Lagebild: Auch Männer sind Opfer
Während das neue Frauenhaus eine kritische Lücke in der Versorgung schließt, zeigt das Bundeslagebild des BKA für 2024, dass häusliche Gewalt keine Einbahnstraße ist. Bundesweit waren rund 29,6 % der Opfer von partnerschaftlicher oder innerfamiliärer Gewalt männlich – das entspricht über 78.800 gemeldeten Fällen. Auch wenn der Fokus in Potsdam-Mittelmark aktuell auf dem Schutz von Frauen liegt, verdeutlichen diese Zahlen, dass Gewalt im häuslichen Umfeld ein gesamtgesellschaftliches Problem bleibt, das Opfer in allen Bevölkerungsgruppen fordert.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


