Schockanruf bei Rentnerin

80.000 Euro Schaden

KLEINMACHNOW.    Unbekannte Täter haben laut MAZ eine Seniorin in Kleinmachnow mit einem sogenannten Schockanruf um ihr Hab und Gut gebracht. Wie die Polizei mitteilte, erbeuteten die Betrüger Schmuck im Gesamtwert von über 80.000 Euro.

Die Tat ereignete sich bereits im September: Ein vermeintlicher Polizist behauptete am Telefon, der Sohn der Frau habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Um eine Haftstrafe abzuwenden, sei die Zahlung einer hohen Kaution erforderlich. Da die Seniorin kein Bargeld im Haus hatte, setzten die Täter sie massiv unter Druck, bis sie einwilligte, stattdessen ihren Schmuck zu übergeben. Ein unbekannter Bote nahm die Wertsachen direkt an der Haustür entgegen und flüchtete.

Dass Senioren immer wieder Opfer von Schockanrufen werden, ist kein Zeichen von Naivität, sondern das Ergebnis einer hocheffizienten psychologischen Manipulation. Experten der Polizei und Psychologen nennen dafür vier Hauptgründe: 

Biologischer Stressmodus: Die Nachricht über einen tödlichen Unfall eines Angehörigen versetzt das Gehirn in einen extremen Ausnahmezustand. In dieser Stresssituation übernimmt das Emotionszentrum (Amygdala) die Kontrolle, während das rationale Denken im präfrontalen Cortex blockiert wird – ein biologischer Schutzmechanismus, der in diesem Fall gegen das Opfer arbeitet.

Gezielter Zeitdruck: Täter lassen ihren Opfern keine Sekunde zum Durchatmen oder Nachdenken. Durch ständiges Reden und die Forderung nach sofortigem Handeln wird eine künstliche Dringlichkeit erzeugt, die eine logische Überprüfung der Geschichte verhindert.

Autorität und Vertrauen: Viele ältere Menschen sind mit einem hohen Respekt vor staatlichen Institutionen aufgewachsen. Die Täter nutzen dies aus, indem sie sich als Polizisten oder Staatsanwälte ausgeben. Neuere Varianten in 2025/2026 beinhalten sogar gefälschte Polizeieinsätze in der Wohnstraße, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Scham und Isolation: Oft scheuen sich Betroffene aus Scham, Angehörige zu informieren oder die Polizei unter 110 zu rufen, da sie ihre Selbstständigkeit nicht gefährdet sehen wollen. Die Täter isolieren die Opfer zusätzlich, indem sie ihnen verbieten, das Telefonat zu beenden. 

Wichtiger Hinweis der Polizei:
Behörden verlangen am Telefon niemals die Herausgabe von Bargeld oder Wertsachen. Im Zweifel gilt: Auflegen und die Angehörigen unter der gewohnten Nummer selbst anrufen.

PM/Kü

 

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