Antwort der SPD-Fraktion
Ausführliches Statement der SPD zum Thema Green Park
Sehr geehrte Damen und Herren der Bürgerinitiative,
vielen Dank für Ihr Schreiben und Ihr Engagement im Zusammenhang mit der Entwicklung des Green-Parks. Der Austausch mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern ist besonders wichtig, um Entscheidungen auf einer breiten Informations- und Diskussionsbasis zu treffen. Bevor wir zur Beantwortung Ihrer Fragen kommen, möchten wir als SPD-Fraktion noch einiges grundsätzlich sagen: Wir bedauern und kritisieren die Kündigung der ansässigen Gewerbetreibenden durch den Grundstückseigentümer, insbesondere da diese für die Betroffenen, die Verwaltung und die Gemeindevertretung überraschend erfolgte und eine belastbare Perspektive für die künftige Nutzung des Areals nicht erkennbar ist.
Bei der Diskussion um die zukünftige Neustrukturierung des Green Parks ist es aus unserer Sicht wichtig, nicht nur einzelne Projekte isoliert zu betrachten, sondern „über den Tellerrand hinaus“ zu schauen und die langfristige Entwicklung des Gewerbestandortes mitzudenken. In diesem Sinne geht es nicht allein um die Frage „Logistik ja oder nein“, sondern darum, welche Art von Unternehmen, Gewerbetreibenden und Nutzungen im Green Park dazu beitragen, dass Stahnsdorf wirtschaftlich stabil, sozial gerecht und ökologisch verantwortungsvoll bleibt oder wächst. Ein Nutzungsmix aus größeren Ankernutzern und vielen kleineren, lokalen und innovativen Betrieben kann dabei helfen, Arbeitsplätze, soziale Teilhabe und Lebensqualität in einem Gesamtbild zusammenzuführen.
Eine Veränderungssperre, wie vom Bürgermeister und anderen vorgeschlagen, halten wir nicht für zielführend. Mit Veränderungssperren hat Stahnsdorf in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht, da es meist nur „Verschieben“ oder „Stillstand“ bedeutete. Wir wollen stattdessen die Entwicklung des Areals unter klaren, transparenten Leitplanken fortführen, die sowohl Raum für konstruktive Planung als auch Schutz vor unkoordinierten Einzelmaßnahmen bieten. Unser Ziel ist, die Entwicklung des Green Parks verantwortungsvoll zu steuern, ohne notwendige Entscheidungen unnötig zu verzögern.
Uns erscheint es wichtig zu betonen, dass die Entscheidung über die Entwicklung des Green Parks mit großer Sorgfalt, Transparenz und im engen Austausch mit allen Beteiligten getroffen werden sollte. Dies umfasst sowohl die Chancen einer gewerblichen Nutzung – einschließlich logistischer Funktionen – als auch die möglichen Auswirkungen auf Verkehr, Umwelt, soziale Strukturen und die mittel- und langfristige Finanzkraft der Gemeinde. Die SPD-Fraktion setzt sich dafür ein, dass alle relevanten Fakten auf den Tisch kommen, Alternativen ernsthaft geprüft werden und ein Gesamtkonzept entsteht, das wirtschaftliche Entwicklung mit sozialer Verantwortung und dem Schutz der Lebensqualität in Stahnsdorf verbindet. In diesem Sinne verstehen wir auch Ihre Fragen als wichtigen Beitrag zu einem konstruktiven Dialog.
Die SPD-Fraktion steht einer gewerblichen Entwicklung des Green Parks grundsätzlich offen gegenüber, sofern sie zu einer nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts Stahnsdorf trägt. Unter bestimmten Bedingungen könnte auch ein Logistikpark dabei ein Bestandteil sein, wenn er sich mit seiner Größe in ein Gesamtkonzept einfügt, das Arbeitsplätze schafft, Investoren anzieht, zu Einnahmen bei der Gewerbesteuer führt und zugleich Verkehr, Lärm und Umweltbelastung auf ein verträgliches Maß begrenzt. Wir befürworten daher keine einzelne Nutzung „um jeden Preis“, sondern eine sorgfältige, ergebnisoffene Prüfung, ob ein Logistikpark unter klaren Auflagen und in Kombination mit weiteren gewerblichen Nutzungen für Stahnsdorf insgesamt vorteilhaft ist.
Der SPD-Fraktion ist wichtig, dass eine Ansiedlung im Green-Park zu verlässlichen und spürbaren Gewerbesteuereinnahmen für Stahnsdorf führt. Dazu gehören aus unserer Sicht:
- Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass zentrale Unternehmensfunktionen tatsächlich am Standort angesiedelt sind und nicht nur operative Flächen betrieben werden,
- langfristige Standortbindungen, etwa über städtebauliche Verträge, in denen Investitions- und Nutzungsperspektiven festgehalten werden,
- ein Nutzungsmix, der verschiedene Branchen umfasst (z. B. Dienstleistungen, Handwerk, Logistik, technologieorientierte Unternehmen), um die Steuerbasis breiter aufzustellen.
Außer für eine Logistikansiedlung, die sich als nicht sinnvoll erweisen sollte, sehen wir im Green Park insbesondere Chancen für kleine und mittlere Unternehmen, wissensintensive Dienstleistungen, Handwerk und regionale Betriebe, die häufig eng mit ihrem Standort verbunden sind und eine stabilere lokale Wertschöpfung erzeugen.
Die SPD-Fraktion hält es für unerlässlich, vor einer endgültigen Entscheidung belastbare Verkehrs- und Lärmgutachten einzuholen und auf dieser Basis ein umfassendes Verkehrskonzept zu entwickeln. Aus unserer Sicht sind dabei wichtig:
- klar definierte LKW-Routen, die Wohngebiete und empfindliche Anliegerstraßen umgehen,
- Durchfahrtsbeschränkungen und Tempo-Regelungen in sensiblen Bereichen zur Entlastung der Anwohner,
- zeitliche Steuerung von Lieferverkehren (z. B. Begrenzung in den Nachtstunden) sowie Prüfung ergänzender Infrastrukturmaßnahmen, falls dies notwendig und verhältnismäßig ist.
Ziel ist eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung des Areals, die zugleich den Schutz der Bevölkerung vor übermäßiger Verkehrsbelastung ernst nimmt.
Das Gemeinwohl besteht in einer ausgewogenen Betrachtung von wirtschaftlicher Stärke, soliden Gemeindefinanzen, guten Arbeitsplätzen, intakter Umwelt und hoher Lebensqualität. Ein Gewerbegebiet kann dem Gemeinwohl dienen, wenn es:
- verlässliche Arbeits- und Ausbildungsplätze schafft,
- einen klar messbaren Beitrag zur Gewerbesteuer leistet und
- unter Bedingungen betrieben wird, die Verkehr, Lärm und Emissionen wirksam begrenzen.
Wichtig ist dabei, dass Entscheidungen transparent, faktenbasiert und im Dialog mit Bürgerinnen, Bürgern und Wirtschaft getroffen werden. Ebenso kann es dem Gemeinwohl entsprechen, eine zu groß dimensionierte oder verkehrlich nicht verträgliche Logistikansiedlung zu begrenzen oder abzulehnen.
Ein Logistikzentrum kann auf einen Schlag eine nennenswerte Zahl an Arbeitsplätzen schaffen, vor allem in Lager, Umschlag, Disposition und administrativen Tätigkeiten. Gleichzeitig ist die Logistikbranche stark im Wandel: Standardisierung und Automatisierung begrenzen die Zahl der Arbeitsplätze pro Fläche. Ein Gewerbegebiet mit vielen kleineren und mittleren Unternehmen bietet hingegen oft:
- mehr Beschäftigung pro Gesamtfläche und eine größere Vielfalt an Berufsbildern,
- eine breitere Verteilung des Risikos auf verschiedene Branchen,
- bessere Chancen für lokale Betriebe und Start-ups, sich zu entwickeln.
Aus wirtschaftsfreundlicher Sicht erscheint daher ein Nutzungsmix attraktiv: ein oder mehrere größere Ankerbetriebe – darunter ggf. auch Logistik – kombiniert mit vielen kleineren Firmen, um eine stabile, vielfältige Arbeitsplatz- und Steuerbasis für Stahnsdorf zu schaffen.
Freundliche Grüße
Ihre SPD-Fraktion Stahnsdorf
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


