Vorbild Schwielowsee

Wie eine Gemeinde Mut zum Sparen zeigt

SCHWIELOWSEE.   Leere Kassen, steigende Kosten und ein Defizit, das die Handlungsfähigkeit der Politik bedroht: Viele Kommunen in Deutschland stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Doch die Gemeinde Schwielowsee, die nicht weit von TKS liegt, geht jetzt einen anderen Weg. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, hat die Gemeindevertretung wie die MAZ berichtet, ein radikales und zugleich zukunftsweisendes Sparpaket beschlossen. Mit insgesamt 42 konkreten Sparmaßnahmen will der Ort seine Finanzen wieder auf ein solides Fundament stellen und gilt damit bereits als potenzielles Vorbild für andere Regionen.

Vorausgegangen war eine alarmierende Haushaltsanalyse. Die nackten Zahlen sprachen eine eindeutige Sprache. Ein dauerhaftes Defizit drohte die Gemeinde zu lähmen. Um das Ruder herumzureißen, holte sich die Verwaltung professionelle Unterstützung ins Boot. Gemeinsam mit dem renommierten Institut für Public Management (IPM) und dem Berater Dr. Christian Müller-Elmau wurde ein umfassendes Sanierungskonzept im Rahmen einer freiwilligen Haushaltssicherung erarbeitet.

Das Ergebnis ist ein stringenter Katalog aus 42 Einzelmaßnahmen, die sowohl schmerzhafte Einschnitte als auch notwendige Einnahmesteigerungen vorsehen. Zu den zentralen Beschlüssen gehört die Anpassung der Steuern. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich auf Erhöhungen bei der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und der Hundesteuer einstellen. Maßnahmen, die zwar unpopulär sind, aber kurzfristig die Einnahmenseite der Gemeinde stabilisieren sollen.

Gleichzeitig wird beim täglichen Betrieb der Rotstift angesetzt. So soll die Straßenbeleuchtung zeitweise abgeschaltet oder gedimmt werden, um die massiven Energiekosten zu senken. Auch vor liebgewonnenen Immobilien macht der Sparkurs nicht halt: Das Bürgerhaus in Caputh steht vor dem Aus, und der Bauhof der Gemeinde soll verlagert werden, um teure Fixkosten und Unterhaltsaufwände einzusparen. Das ist im Vergleich zu Stahnsdorf interessant. Dort geht man gerade den umgekehrten Weg: Obwohl es bereits drei Bürgerhäuser in den Ortsteilen gibt, will man ein viertes am Dorfplatz bauen, nimmt dafür allerdings Geld aus dem Sondervermögen.

Der radikale Kurs in Schwielowsee zeigt, dass Haushaltskonsolidierung eine Gemeinschaftsaufgabe aus Politik, Verwaltung und externer Expertise ist. Ob die 42 Maßnahmen ausreichen, um die Gemeinde langfristig zu sanieren, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Sicher ist jedoch: Schwielowsee beweist den Mut, unbequeme Entscheidungen rechtzeitig anzupacken – ein Signal, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus Gehör finden sollte.

PM/Kü

Bild: Symbolbild  (Pixabay)

 

Facebook
Twitter
LinkedIn