Generationenwohnen oder Familienzuwachs?
Kontroverse Debatte im Stahnsdorfer Bauausschuss
STAHNSDORF. In Stahnsdorf wird händeringend Wohnraum gesucht – doch über das „Wie“ und „Für wen“ herrscht im Bauausschuss Uneinigkeit. Ein aktueller Vorstoß der AfD-Fraktion zur Förderung von Kleinstwohnungen stieß nun auf eine detaillierte Gegenargumentation der Gemeindeverwaltung. Im Kern geht es um die Frage: Braucht Stahnsdorf mehr 1-Zimmer-Appartements oder fehlen vielmehr die Flächen für Familien und Paare?
Die AfD-Fraktion brachte eine Beschlussvorlage ein, die den Bürgermeister direkt in die Pflicht nehmen soll. Das Ziel: Die Verwaltung soll kurzfristig prüfen, welche gemeindeeigenen Grundstücke in allen Ortsteilen an die Wohnungsgesellschaft Stahnsdorf (WoGeS) übertragen werden können.
Das inhaltliche Konzept der Fraktion sieht ein klares Modell für diese Flächen vor: Ein „Generationen-Mix“ unter einem Dach. Im Erdgeschoss sollen barrierefreie Einheiten für Senioren entstehen, während die Obergeschosse für junge Erwachsene – Auszubildende, Studenten und Berufseinsteiger – reserviert sein sollen. Damit will die Fraktion dem Trend entgegenwirken, dass junge Stahnsdorfer ihre Heimat mangels bezahlbarer kleiner Wohnungen verlassen müssen. Der Fokus liegt dabei explizit auf 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen, die sich optisch harmonisch in die Umgebung einfügen sollen.
Die Stellungnahme der Verwaltung unterzieht diesem Plan jedoch einer kritischen Analyse. Die Fachämter weisen darauf hin, dass die WoGeS bereits über einen „überproportional hohen Anteil“ an kleinen Wohnungen (1 bis 2 Zimmer) verfügt. Das eigentliche Defizit am Stahnsdorfer Wohnungsmarkt liege an einer anderen Stelle: bei den 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen.
Die Argumentation sieht so aus:
- Senioren-Bedarf: Viele Seniorenpaare, die ihr großes Eigenheim aufgeben, möchten sich räumlich nicht auf 50 Quadratmeter einschränken, sondern suchen eine komfortable 3-Zimmer-Wohnung.
- Familien-Zuwachs: Junge Paare, die in Stahnsdorf zusammenziehen oder Nachwuchs erwarten, finden derzeit kaum Möglichkeiten, sich innerhalb des Bestandes der WoGeS zu vergrößern.
- Der Fluktuations-Effekt: Würde man mehr größere Wohnungen bauen, käme Bewegung in den Markt. Senioren oder Paare könnten aus ihren (für sie zu kleinen oder zu großen) Wohnungen umziehen, wodurch die vom Antragsteller geforderten kleinen Einheiten im Bestand automatisch frei würden.
Wie komplex kommunaler Wohnungsbau ist, zeigt das Beispiel der Fläche am Ahornsteg 8. Hier besteht zwar Einigkeit über die Bebaubarkeit, doch die Hürden sind technischer und bürokratischer Natur. Ein früherer Plan für ein Seniorenwohnhaus wurde vom Landkreis abgelehnt.
Bevor hier neu geplant werden kann, muss laut Verwaltung die „Transformation des Wärmenetzes“ geklärt werden. Das alte Heizhaus und der markante Schornstein stehen zur Disposition. Ein Rückbau des Schornsteins würde die technische Umsetzung eines Neubaus massiv erleichtern. Zudem brachte die SPD-Fraktion einen finanziellen Aspekt ein: Eine Übertragung von Grundstücken von der Gemeinde an die WoGeS ist kein rein administrativer Akt – es fällt Grunderwerbsteuer an, was die Baukosten bereits vor dem ersten Spatenstich in die Höhe treibt.
Die Debatte im Bauausschuss macht deutlich, dass die Wohnungspolitik in Stahnsdorf ein Drahtseilakt zwischen sozialem Anspruch und statistischer Realität ist. Während der Antrag der AfD auf eine schnelle Lösung für zwei spezifische Altersgruppen zielt, plädiert die Verwaltung für eine nachhaltige Durchmischung des Bestandes, um „Umzugsketten“ zu ermöglichen.
Ob die Identifizierung neuer Bauflächen in allen Ortsteilen tatsächlich wie gefordert vorangetrieben wird oder ob man sich zunächst auf die Revitalisierung bestehender Areale wie am Ahornsteg konzentriert, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Das Thema Wohnen wird die Ausschüsse noch bis weit in die nächste Legislaturperiode beschäftigen.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


