Stickerflut

Städte kämpfen gegen die Aufkleber-Plage

REGION.   Wer durch deutsche Innenstädte geht, blickt auf eine bunte Kulisse aus Papier und Kunststoff. Ob politische Parolen, Logos von Fußball-Ultras oder Werbung für die nächste Underground-Party: Die sogenannte „Aufkleber-Plage“ hat im öffentlichen Raum ein massives Ausmaß angenommen. Was harmlos wirkt, entwickelt sich für Städte und Gemeinden zu einer teuren und gefährlichen Daueraufgabe.

Gefahr für den Straßenverkehr

Die Flut der bunten Bildchen ist längst kein rein optisches Problem mehr. Immer häufiger überkleben Unbekannte wichtige Verkehrszeichen, Straßennamen oder die Fahrpläne an Bushaltestellen. Wenn Schilder unlesbar werden, leidet die Orientierung – im schlimmsten Fall drohen schwere Unfälle. Aus diesem Grund handelt es sich beim ungefragten Bekleben von fremdem Eigentum keineswegs um ein Kavaliersdelikt. Rechtlich wird das Phänomen als Ordnungswidrigkeit oder – bei bleibenden Schäden an der Substanz – sogar als Sachbeschädigung eingestuft. Erwischten Tätern drohen empfindliche Bußgelder und die Übernahme der Reinigungskosten.

Millionenaufwand für die Reinigung

Für die Kommunen und Verkehrsbetriebe bedeutet die Sticker-Welle einen enormen finanziellen Kraftakt. Die manuelle Entfernung mit Schabern und chemischen Laugungsmitteln ist extrem personal- und zeitintensiv. Bundesweit fließen jährlich Millionenbeträge an Steuergeldern in die Reinigung der Infrastruktur – Geld, das an anderer Stelle fehlt.

Aufrüstung im Stadtbild

Um der Lage Herr zu werden, setzen immer mehr Städte auf moderne Technologie. An neuralgischen Punkten kommen vermehrt spezielle „Anti-Sticker-Lacke“ zum Einsatz. Diese rauen oder silikonhaltigen Beschichtungen sorgen dafür, dass Klebstoffe schlicht nicht mehr haften und die Sticker von selbst abfallen.

Gleichzeitig setzen die Verwaltungen auf die Mithilfe der Bevölkerung. Über digitale „Mängelmelder-Apps“ können Bürger verklebte Schilder im Vorbeigehen per Smartphone fotografieren und den Standort direkt an das Ordnungsamt übermitteln. Der Kampf gegen die klebende Flut hat gerade erst begonnen.

PM

Bild: Laterne in Stahnsdorf   (Foto Kü)

 

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