Der MAZ-Artikel „Flucht vor der S-Bahn und Neustart im Alter“ (Ausgabe 22./23. August) nutzt eine langatmige Familienbiografie, um am Ende banale und substanzlose Kriminalitätsbefürchtungen als Argumente gegen das Infrastrukturprojekt S-Bahn in Stahnsdorf anzuführen. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll.
Konkret geht es um zwei ältere Herrschaften, die seit 25 Jahren in Stahnsdorf wohnen. Nun möchten die beiden den Ort verlassen. Angeblich wegen der S-Bahn. Dann wird das komplette Leben über viele Abschnitte ausgebreitet. Doch die Überschrift des Textes lautet: „Flucht vor der S-Bahn und Neustart im Alter“. Da passt irgendwas nicht. Passen würde: „Wir haben uns hier was aufgebaut“.
Erst ganz am Ende des Artikels geht es endlich um das Thema. Die Frau äußert sich folgerndermaßen: „Alles, was in dem Zusammenhang dann hier herüberschwappt an Kriminalität, an Unruhe – es wird kein Ordnungsamt geben, das das hier irgendwann mal in den Griff kriegt.“ Man fragt sich betroffen: Was soll das? Die Geschichte ist belanglos. Die am Schluss geäußerte Ansicht, die S-Bahn bringe Kriminalität, ist substanzlos.
Die Instrumentalisierung persönlicher Umzugspläne, um Stimmung gegen die S-Bahn zu machen, ersetzt notwendige, sachliche Debatten über städtebauliche Veränderungen durch „Motzki“-Mentalität. Kritiker sollten bei inhaltlich fundierten Argumenten bleiben, statt auf dünne Kriminalitätsnarrative zu setzen. Aber vielleicht musste man in der Redaktion auch nur das Sommerloch füllen. Da kann man nur sagen: Gott sei Dank ist der August bald vorüber.
Herzlich
Christian Kümpel