Akademie zweite Lebenshälfte

Ein Kommentar

REGION.  Schon im Vorfeld sorgt ein Antrag des Vereins AKADEMIE zweite Lebenshälfte e.V. für Zündstoff und Diskussionsbedarf in TKS. Deren Kontaktstelle hat nämlich am 15.07.2026 einen Förderantrag auf 40.000 € gestellt, der in der September-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Teltow entschieden werden soll. Förderanträge werden auch in den Sitzungen der Gemeindevertretungen in Kleinmachnow (27.727,27 Euro) und in Stahnsdorf (23.181,82 Euro) gestellt. Die AKADEMIE will damit ihren Fortbestand und ihr bisheriges Angebot für die Senioren sichern. Allerdings erreicht sie nicht alle Senioren in der Region. Denn bei 63.023 Einwohnern in TKS (Stand: 2024) – davon 20.104 im Alter ab 60 Jahren – nutzen mit etwa 1.200 Kursteilnehmern gerade einmal 6% dieser Bevölkerungsgruppe die AKADEMIE-Angebote.

 In Anbetracht der kritischen Haushaltslagen der drei Kommunen wird es immer schwieriger, dem Bürger zu erklären, warum die Sprach-, Kreativ- und Bewegungskurse, die Bildungsreisen, Wanderungen, Ausstellungen und Kulturprojekte der AKADEMIE gefördert werden sollen, obwohl diese ebenso von anderen öffentlichen und privaten Bildungsträgern (z.B. VHS, Sprachschulen, Jugendkunstschulen, Sportvereinen / Fitnessstudios, Kirchengemeinden, Seniorenbegegnungsstätten, Wandervereinen) angeboten werden. Hier werden mit öffentlichen Geldern offensichtlich Doppelstrukturen finanziert.

 Der Verein, ein freier Bildungsträger in Brandenburg, bekommt schon seit vielen Jahren finanzielle Unterstützung aus den drei Kommunen, um seinen defizitären Haushalt zu decken. Seit erstmaliger Förderung sind über 1 Mio. Euro an die Kontaktstelle TKS geflossen.

Dabei wären so hohe Defizite durchaus vermeidbar: Die AKADEMIE könnte sich auf Kernaufgaben, wie Seniorenberatung, konzentrieren, fragwürdige Kursangebote (z.B. „Märchenspiel mit Puppen“ und „Jonglierkurs“) streichen und das Kursangebot insgesamt verschlanken. Sie würde damit Kosten – besonders im Personalbereich – sparen und käme unter Umständen ohne öffentliche Gelder aus.

 Zugegeben, die Kosten explodieren. Allein die Personal-, Miet- und Sachkosten – insbesondere für Energie – sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Honorarkräfte sind nach dem „Herrenberg-Urteil“ nun wie normale Arbeitnehmer zu entlohnen.

Doch auch auf der Einnahmeseite wäre mehr erreichbar: Eine obligatorische Verpflichtung der über 1.200 Kursteilnehmer aus der Region TKS, auch Vereinsmitglied zu werden, täte der Finanzstruktur der AKADEMIE gut. Durch die zusätzlichen 25 Euro Mitglieds-Jahresbeitrag wird ein Kurs nicht viel teurer. Aber mit 30.000 Euro Mitgliedsbeiträgen wäre schon viel mehr bezahlbar als mit den bisher 225 Euro der neun Vereinsmitglieder aus TKS.

Wer nun einwendet, dass die Senioren doch bitteschön fit und mobil gehalten werden sollen, vergisst, dass diese das jetzt schon selbst tun – auch ohne die AKADEMIE. Daher stellt sich die Frage, ob hier – immerhin sind die Senioren unstrittig die am stärksten wachsende Bevölkerungs- und Wählergruppe – vielleicht anderes erreicht werden soll. Einige merken an: Die gebotene Neutralität der Akademie sei nicht immer gegeben. Es gebe eine politische Schlagseite. 

Es dürfte nach der Sommerpause in den Stadt- und Kommunalparlamenten jedenfalls harte Diskussionen geben. Die kommunalen Mandatsträger in TKS müssen nämlich eine schwierige Entscheidung treffen: Stecken sie erneut viel Geld in einen konsumtiven Bereich, obwohl das Geld an allen Ecken fehlt, oder spart man die Mittel, um in Projekte zu investieren, die nachhaltiger sind.

 Guido Jülich

 

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