Geschichte im Spiegel der Straßennamen

CDU/FDP plant neuen Namenspool und Info-Schilder

STAHNSDORF. Wie wollen wir uns an unsere Geschichte erinnern? Und wer verdient es, dauerhaft im Ortsbild präsent zu sein? Diese Fragen beschäftigt demnächst die Stahnsdorfer Kommunalpolitik. Mit einer neuen, umfassenden Beschlussvorlage (B-26/108) will die CDU/FDP Fraktion die Benennung von Straßen und Plätzen auf ein völlig neues, historisch fundiertes Fundament stellen. Das Ziel: Die reiche Historie der Region soll im Alltag der Bürgerinnen und Bürger sichtbarer und im Vorübergehen erlebbar werden.

Der Vorstoß kommt zur rechten Zeit, denn in Stahnsdorf stehen große städtebauliche Veränderungen an. Durch das neue Wohngebiet „Schmale Enden II“ und die anstehende Erschließung im Umfeld des künftigen S-Bahn-Anschlusses müssen in den kommenden Jahren zahlreiche neue Straßen, Wege und Plätze benannt werden.

Anstatt bei jedem neuen Bauabschnitt spontan nach Namen zu suchen, soll die Gemeindeverwaltung nun vorab gemeinsam mit dem Heimatverein Stahnsdorf einen qualifizierten „Namenspool“ erarbeiten. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf Lokalmatadoren und Persönlichkeiten mit direktem Bezug zur Gemeinde – sei es durch ihr Lebenswerk vor Ort oder durch ihre letzte Ruhestätte auf dem berühmten Südwestkirchhof, der als kulturhistorisches Juwel der Region gilt.

Dass Straßennamen weit mehr sind als reine Orientierungshilfen, zeigt ein Blick in die Statistik der Gemeinde. Eine Auswertung der verwaltungseigenen „Sonntagsserie“ ergab, dass von 34 untersuchten personenbezogenen Straßennamen in Stahnsdorf bislang nur sieben einen konkreten Lokalbezug aufweisen – darunter Widerstandskämpfer wie John Graudenz oder der 2022 geehrte Martin Gürtler.

Die Debatte verdeutlicht zudem, dass Straßenbenennungen immer auch ein Spiegel des jeweiligen Zeitgeists sind. Während in früheren Epochen oft nationale Monarchen, Militärs oder rein männliche Repräsentanten aus Politik und Wissenschaft die Schilder dominierten, gilt jetzt das Prinzip Vielfalt. Die CDU entspricht diesem Zeitgeist durch den aktuellen Antrag: Der künftige Namenspool soll eine ausgewogene Mischung verschiedener Epochen und Lebensbereiche abbilden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt, wenig überraschend, darauf, geeignete weibliche Persönlichkeiten zu Namensgebern zu machen. Namen wie die der Widerstandskämpferin Elisabeth Pungs, der Filmregisseurin Anna Justice oder der Frauenrechtlerin Emmi Lewald stehen bereits als prominente Beispiele auf der Prüfliste.

Der Beschluss geht jedoch über Neubaugebiete hinaus und nimmt auch das bestehende Straßennetz in den Blick. Historisch oder personenbezogen bedeutsame Straßen sollen schrittweise mit sogenannten „Legendenschildern“ ausgestattet werden. Diese kleinen Zusatztafeln direkt unter dem Straßenschild informieren kurz und prägnant über Lebensdaten, Verdienste und den Stahnsdorf-Bezug der Namensgeber.

Um das Projekt im 21. Jahrhundert zu verankern, soll die gesammelte Ortsgeschichte nicht nur analog, sondern auch digital zugänglich gemacht werden. Angedacht ist eine interaktive Karte auf der Website der Gemeinde, die es Alteingesessenen und Zugezogenen gleichermaßen erlaubt, die Historie hinter den Schildern per Klick zu erkunden. Der Heimatverein Stahnsdorf soll die Verwaltung bei der historischen Prüfung und Texterstellung eng begleiten. Die endgültige Entscheidung über den Namenspool und die konkreten Vergaben liegt schließlich bei den politischen Gremien der Gemeinde.

PM/Kü

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

 

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