S-Bahn-Verlängerung nach Stahnsdorf

Warum der Haltepunkt Iserstraße für Teltow zum entscheidenden Trumpf wird

Die Diskussion um die Verlängerung der S25 von Teltow-Stadt nach Stahnsdorf wird oft als reines Infrastrukturprojekt für die Nachbargemeinde missverstanden. Doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich: Der geplante Haltepunkt Iserstraße ist kein bloßes „Durchgangsprojekt“, sondern ein massiver Standortvorteil für die Stadt Teltow – insbesondere für das Flussviertel. Dort wird der Teil der Bevölkerung Teltows einsteigen, der westlich der Altstadt wohnt. Dort gab es in der nahen Vergangenheit auch den meisten Neubau.

  1. Das Flussviertel: Vom Randbezirk zum Logenplatz

Bisher liegt das Teltower Flussviertel in einer verkehrstechnischen Randlage zur S-Bahn. Mit dem neuen Haltepunkt Iserstraße ändert sich die Geometrie der Stadt fundamental. Weite Teile des Viertels rücken in den direkten Einzugsbereich des schienengebundenen Nahverkehrs.

Für die Bewohner bedeutet das: Berlin-Mitte ist künftig in greifbarer Nähe, ohne dass zuerst eine Busfahrt oder eine lange Parkplatzsuche am Bahnhof Teltow-Stadt nötig wäre. Diese Aufwertung der Lebensqualität wird  sich unmittelbar in den künftigen Bodenrichtwerten niederschlagen.

  1. Wertsteigerung für die WGT und lokale Eigentümer

Ein wesentlicher Profiteur dieser Entwicklung ist die Wohnungsbaugesellschaft Teltow (WGT). Mit dem Haltepunkt vor der Haustür steigt das Vermögen der städtischen Gesellschaft signifikant. Immobilien im direkten Umfeld von Bahnhöfen erfahren in der Metropolregion Berlin/Brandenburg seit Jahren die höchsten Wertzuwächse. Für die WGT bedeutet dies nicht nur eine Bilanzaufwertung, sondern auch eine langfristige Sicherung der Vermietbarkeit und die Möglichkeit, das Viertel städtebaulich weiterzuentwickeln.

  1. Die 3.000-Einwohner-Hürde: Das Zünglein an der Waage

Das Projekt steht und fällt mit der Kosten-Nutzen-Untersuchung. Hier spielt das Flussviertel die Hauptrolle: Die mindestens 3.000 Anwohner sind das statistische Rückgrat, das die notwendigen Fahrgastzahlen liefert. Ohne diese kritische Masse aus Teltow würde die Wirtschaftlichkeit für die gesamte Strecke nach Stahnsdorf nur sehr schwer  erreicht werden können. Teltow liefert also das „Argument“, daß die S-Bahnverlängerung überhaupt erst rechtfertigt.

  1. Die finanzielle Blockade lösen

Trotz dieser klaren Vorteile herrscht politisch kaum begreifbare Zurückhaltung. Die Teltower Stadtverordneten stellen sich „dumm“. Doch wenn Teltow keine Bereitschaft signalisiert, sich an den Kosten für den Haltepunkt Iserstraße zu beteiligen, drohen die Kosten für Stahnsdorf aus dem Ruder zu laufen. Ein reiner bilateraler Dialog zwischen Teltow und Stahnsdorf wird hier allerdings kaum ausreichen, da die Interessenlagen und finanziellen Spielräume zu unterschiedlich sind. Es wird ein Moderator benötigt. 

  1. Das Land Brandenburg als Moderator gefragt

Das kann letztlich nur das Land Brandenburg als einer der Finanzierenden sein. Um die festgefahrenen Fronten zu klären, muss das Land Brandenburg eine aktivere Rolle einnehmen. Es bedarf einer Lösung, bei der die Kosten der Bahnhofsumfelder fair zwischen den Kommunen und dem Land als Förderer verteilt werden. Dabei kann die enorme Wertschöpfung, die Teltow durch den Haltepunkt erfährt, bei der Finanzierung des Umfeldes des Bahnhofs Iserstrasse – unabhängig von der tatsächlichen Lage in der Gemarkung Stahnsdorfs – nicht außer acht bleiben.

Fazit: Die Finanzierung des Haltepunktes Iserstraße ist kein Zugeständnis an Stahnsdorf, sondern eine Investition in das Teltower Stadtvermögen. Wer das Flussviertel stärken und den Verkehrsinfarkt in der Region verhindern will, muss jetzt die Weichen für eine finanzielle Beteiligung Teltows stellen.

 

Hans Schnier

Bild: Symbolbild   (Foto Kü)

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