Bilanz nach fast fünf Jahren

Wo man heute steht

STAHNSDORF.   Nach fast fünf Jahren als Betreiber des Marktplatzes Waldschänke ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was als Experiment begann, ist heute fest in der Region verankert: Insbesondere der Biergarten ist aus Stahnsdorf kaum noch wegzudenken und zieht regelmäßig Gäste aus nah und fern an. Doch wo genau steht das Projekt heute, und wie sieht der Blick nach vorn aus? Adrian Schäfer zieht ein ehrliches Fazit über Erfolge, gesellschaftlichen Wert und die kommenden Herausforderungen des Stahnsdorfer Treffpunkts.

Christian Kümpel

Bedeutung der Einrichtung

Der Marktplatz Waldschänke hat einen Ort, der zuvor praktisch vollständig ungenutzt war, in einen der meistfrequentierten Treffpunkte der Gemeinde verwandelt. Heute finden dort jährlich über 50.000 Nutzungen statt – vom Café im Alltag bis zu Veranstaltungen, Märkten, Vereinsaktivitäten und offenen Formaten. In einer Gemeinde wie Stahnsdorf, die stark wächst, aber wenig gewachsene Treffpunkte hat, übernimmt die Waldschänke damit faktisch die Funktion eines Dorf- bzw. Bürgerzentrums – nur in einer offenen, niedrigschwelligen Form.  Der entscheidende Punkt ist: Dieser Ort wurde nicht geplant oder verordnet, sondern wird tatsächlich genutzt.

Akzeptanz der Bevölkerung

Die Akzeptanz lässt sich nicht nur subjektiv, sondern sehr konkret messen:

* ca. 500 Menschen nutzen den Ort regelmäßig jede Woche,

* über 50.000 Besuchskontakte im Jahr

* knapp 70 % der Veranstaltungen sind nicht-kommerziell

Das zeigt: Die Waldschänke ist kein Nischenprojekt, sondern wird von sehr unterschiedlichen Gruppen getragen – Familien, Jugendliche, ältere Menschen, Initiativen, Vereine. Gerade die Mischung aus Gastronomie, Veranstaltungen, Kultur und Ehrenamt funktioniert, weil sie nicht exklusiv ist, sondern offen. Das ist vermutlich der Grund, warum der Ort so angenommen wird.

Verhältnis zur Politik

Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist aktuell sachlich und konstruktiv. Es gibt Gespräche darüber, wie sich das Projekt seit 2021 entwickelt hat und welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben. Ziel ist eine Lösung, die der tatsächlichen Nutzung gerecht wird und gleichzeitig für die Gemeinde tragfähig bleibt.

Probleme (Gegenwart/Zukunft)

Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind real und betreffen zwei Ebenen:

* Allgemeine Lage der Branche: steigende Energie- und Betriebskosten, Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck auf Gastronomie und Veranstaltungen

* Besonderheit des Projekts: ein Großteil der Angebote ist bewusst nicht gewinnorientiert, diese Angebote sind aber genau das, was den Ort ausmacht

Das bedeutet konkret: Die wirtschaftliche Basis muss einen Ort tragen, der mehr leistet als ein klassischer Betrieb. Das ist möglich – aber nur, wenn die Rahmenbedingungen dazu passen.

Ausblick

Mit passenden Rahmenbedingungen kann sich der Ort stabil weiterentwickeln – als Treffpunkt, Veranstaltungsort und Plattform für lokale Initiativen. Langfristig geht es nicht darum, ob es die Waldschänke gibt, sondern ob sie weiterhin das leisten kann, was heute viele Menschen dort suchen: einen offenen Ort für Begegnung im Alltag. Die Waldschänke zeigt, dass ein solcher Ort funktioniert. Jetzt geht es darum, die Bedingungen so zu gestalten, dass er dauerhaft funktionieren kann.

Adrian Schäfer

Bild: Waldschänke   (Foto Kü)

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