Retten Schilder Teltows sterbenden Wochenmarkt?
SPD fordert Sichtbarkeit
TELTOW. Der Wochenmarkt in Teltow ist noch nicht zum Erliegen gekommen. Aktuell findet noch Marktbetrieb statt. Doch der Markt hat schon viel bessere Zeiten gesehen. Ein Zustand, den die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung nicht länger hinnehmen will. Mit einem neuen Antrag fordert sie die Stadtverwaltung auf, den Markt zu retten. Doch der Kampf gegen das Marktsterben in Teltow ist kein lokales Phänomen, sondern das Spiegelbild einer bundesweiten Krise. Warum tun sich Wochenmärkte so schwer, und kann das Teltower Konzept die Wende bringen?
Die Krise vor der Haustür: Warum Märkte sterben
Wochenmärkte stehen heute unter massivem Druck. Das Einkaufsverhalten hat sich radikal verändert: Im stressigen Alltag zwischen Beruf und Familie siegt oft die Bequemlichkeit. Supermärkte und Discounter bieten alles an einem Ort, inklusive kostenloser Parkplätze und verlängerter Öffnungszeiten bis in den späten Abend. Zudem treiben Inflation und steigende Betriebskosten die Preise an den Marktständen in die Höhe – viele Verbraucher greifen da lieber zu vermeintlich günstigerer Regionalware im Supermarktregal.
Dazu kommt ein massiver Nachwuchsmangel. Die Arbeit als Marktbeschicker ist hart, beginnt mitten in der Nacht und findet bei jedem Wetter statt. Findet ein älterer Händler keinen Nachfolger, bleibt der Stand für immer leer. Ein Teufelskreis: Weniger Stände bedeuten weniger Kunden, und weniger Kunden vertreiben die restlichen Händler.
Teltows Abstieg in die Unsichtbarkeit
Genau diese Abwärtsspirale lässt sich in Teltow idealtypisch beobachten. Seit der Verlegung des Marktes im Jahr 2010 von der Altstadt auf den Parkplatz am Zeppelinufer (Zehlendorfer Straße) schrumpfte das Angebot kontinuierlich. Der Standort an einer der wichtigsten Verkehrsachsen nach Berlin schien anfangs ideal. Doch die Realität holte das Konzept ein.
Zuletzt wurden die Händler ins hintere Eck des Parkplatzes gedrängt. „Vom vorbeifahrenden Verkehr waren sie kaum noch wahrzunehmen“, kritisiert die SPD. Die aktuelle Baustellensituation in der Zehlendorfer Straße gab dem ohnehin schwach frequentierten Markt nun offenbar den Rest.
Der Rettungsplan: Das fordert die SPD
Die SPD warnt eindringlich davor, den Markt sang- und klanglos sterben zu lassen: Ist er erst einmal ganz weg, kommen die Händler so schnell nicht wieder. Ihr Antrag nimmt daher die strukturellen Probleme gezielt ins Visier:
- Zurück ins Rampenlicht: Ein Wochenmarkt braucht Sichtbarkeit. Der künftige Standort muss zentral, gut erreichbar und für Passanten und Autofahrer sofort im Blickfeld sein.
- Der Samstag-Faktor: Bislang fand der Markt nur noch dienstags statt – eine Zeit, zu der die arbeitende Bevölkerung schlicht keine Zeit hat. Die SPD fordert nun eine ergebnisoffene Prüfung des Samstags. Ein Samstagmarkt könnte nicht nur Berufstätigen den Einkauf ermöglichen, sondern den Markt wieder zu dem machen, was er sein sollte: ein sozialer Treffpunkt und fester Bestandteil des städtischen Lebens.
- Aggressives Marketing: Was niemand weiß, wird nicht besucht. Eine verlässliche Werbestrategie mit sichtbaren Hinweisschildern an den Hauptzufahrten der Stadt und eine digitale Einbindung in die städtischen Medien sollen den Markt wieder ins Gedächtnis der Teltower rufen.
Ein schwerer Weg zurück zur Normalität
Der Vorstoß der Sozialdemokraten setzt an den richtigen Hebeln an. Flexiblere Marktzeiten und eine bessere Sichtbarkeit sind die Grundvoraussetzungen, um den Markt für die Teltower wieder attraktiv zu machen.
Die größte Hürde für die Stadtverwaltung wird es nun jedoch sein, überhaupt wieder eine ausreichende Zahl und Vielfalt an Händlern zu gewinnen. Denn das Konzept funktioniert nur, wenn die Händler darauf vertrauen, dass in Teltow künftig nicht nur die Werbetrommel gerührt wird, sondern am Ende auch die Kasse stimmt. Die zuständigen Ausschüsse werden sich bald mit den Ergebnissen der Prüfung befassen müssen.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


