Das ewige Siechtum der Pardemann-Villa
Bürokratischer Stillstand statt nachhaltiger Zukunft
STAHNSDORF. Die Pardemann-Villa in der Ruhlsdorfer Straße 1 verfällt seit Jahren ungenutzt. Die aktuellen Antworten der Gemeindeverwaltung auf die parlamentarischen Anfragen der AfD-Fraktion und der der CDU-Fraktion offenbaren eine ernüchternde Hängepartie für das markante, gemeindeeigene Gebäude.
Die geschichtsträchtige Liegenschaft am prägnanten Ortseingang von Stahnsdorf – direkt an der Kreuzung zum „Stahnsdorfer Hof“ gelegen – blickt auf eine wechselvolle Vergangenheit zurück:
- Der Ursprung: Erbaut wurde die repräsentative Fabrikanten-Villa Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Stahnsdorfer Unternehmer Albert Pardemann. Das im Stil der Jahrhundertwende errichtete Gebäude mit seiner Mischfassade aus Putz, Ziegeln und Naturstein prägte über Generationen das Ortsbild.
- Die kommunale Phase: Später ging das Objekt mit rund 260 Quadratmetern Wohnfläche und über 650 Quadratmetern Grundstück in das Eigentum der Gemeinde Stahnsdorf über. Nach dem Auszug der letzten Mieter vor über zehn Jahren begann jedoch das traurige Kapitel des dauerhaften Leerstands.
- Das ewige Tauziehen: Seit 2016 scheiterten reihenweise Konzepte. Pläne reichten von einer Nutzung durch die Kreisvolkshochschule über soziale Projekte bis hin zur Übertragung an die kommunale Wohnungsgesellschaft Woges für einen symbolischen Euro. Zuletzt scheiterte das Vorhaben einer ortsansässigen Arztpraxis. Jedes Mal blockierten sich Politik, bürokratische Hürden und Streitigkeiten über den Verkaufswert gegenseitig, während der Hausschwamm und der Substanzverlust unaufhaltsam voranschritten.
Sowohl die AfD-Fraktion als auch die CDU-Fraktion machten nun mit separaten Anfragen Druck. Die Antworten der Gemeindeverwaltung zeigen jedoch, dass eine zeitnahe, nachhaltige Nutzung weiterhin in weiter Ferne liegt:
Thema / Frage | Stand der Verwaltung (Antworten auf die Anfragen) |
1. Wertermittlung & Gutachten | Ein Gutachten nach § 194 BauGB wurde am 19.12.2025 beauftragt. Es verzögert sich massiv wegen nötiger Zusatzermittlungen zum Holzschutz. Ein seriöser Verkehrswert liegt nicht vor. |
2. Fertigstellungstermin | Im Ausschuss wurde das Gutachten fälschlicherweise für April in Aussicht gestellt. Neuer, prognostizierter Fertigstellungstermin ist nun Ende August 2026. |
3. Ausschreibung & Zeitplan | Ohne das vorliegende Verkehrswertgutachten nennt die Verwaltung keinen konkreten Zeitplan für eine öffentliche Ausschreibung oder Verpachtung. |
4. Kaufinteressenten | Seit dem Scheitern des letzten Verfahrens (Drucksache B-25/060) sind der Verwaltung keinerlei Interessenten mehr bekannt. |
5. Strategie der Verwaltung | Die Verwaltung wartet ab. Sobald das Gutachten vorliegt, soll es als Mindestgebot für eine offene Ausschreibung dienen. |
Die parlamentarische Auskunft legt die typischen Symptome kommunalen Stillstands offen. Die Tatsache, dass ein bereits Ende 2025 beauftragtes Verkehrswertgutachten aufgrund von Holzschutzprüfungen bis zum Spätsommer 2026 gestreckt wird, verschärft die bauliche Situation drastisch. Jeder Monat Leerstand treibt die ohnehin enormen Sanierungskosten – die von Experten zuletzt auf mindestens eine Million Euro taxiert wurden – weiter in die Höhe.
Zudem offenbart sich ein logischer Zirkelschluss in der Verwaltungsstrategie: Man wirbt mangels Gutachten nicht aktiv um neue Investoren, verweist aber gleichzeitig darauf, dass keine Interessenten vorliegen. Für die Stahnsdorfer Gemeindevertretung bleibt das historische Erbe von Albert Pardemann damit bis auf Weiteres das, was es seit einem Jahrzehnt ist: eine baufällige, ungenutzte Problemimmobilie im Entree der Gemeinde.
Kü
Bild: Pardemann-Villa (Foto Kü)


