Plakat-Chaos und Millionen-Schlacht
Berlin versinkt im Wahlkampf-Sumpf
BERLIN. Seit dem vergangenen Sonntag prägen sie wieder das Berliner Stadtbild: Hunderttausende Wahlplakate läuten die heiße Phase für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 ein. Doch der Startschuss geriet zu einem bürokratischen Fehlstart mit Ansage – und zeigt, wie verbissen die Parteien um jede Stimme kämpfen.
Insgesamt schicken die politischen Parteien eine gigantische Materialschlacht ins Rennen: Rund 250.000 Wahlplakate sollen in den kommenden Wochen an Berlins Laternenmasten hängen. Versuche aus den Bezirken, die optische Überflutung einzudämmen – wie eine fraktionsübergreifende Initiative in Treptow-Köpenick für eine strikte Obergrenze –, scheiterten im Vorfeld krachend an rechtlichen Hürden der Senatsverwaltung.
Dass die Nerven blank liegen, zeigte sich bereits am offiziellen Erstaufhängetag, dem 2. August. Erstmals galt eine Neuerung des Berliner Straßengesetzes: Zum Schutz der ehrenamtlichen Helfer durfte erst ab 12:00 Uhr mittags plakatiert werden, statt wie früher ab Mitternacht.
Das Verbot hielt jedoch kaum jemanden auf. Zahlreiche Teams von CDU, SPD, Grünen und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wurden bereits in den frühen Morgenstunden beim illegalen Aufhängen erwischt. Nun drohen den Landesverbänden in mehreren Bezirken saftige Bußgelder wegen Sondernutzungsverstößen.
Inhaltlich spiegeln die Plakate die tiefen Risse und die großen Baustellen der Hauptstadt wider. Die Verteilung der rund eine Viertelmillion Plakate zeigt klare Schwerpunkte:
- SPD (ca. 73.000 Plakate): Die Sozialdemokraten stemmen das größte Volumen der Stadt. Mit ihrem Spitzenkandidaten Steffen Krach im Zentrum setzt die SPD voll auf die soziale Karte. Das Kernversprechen: Bezahlbare und stabile Mieten sowie die Rückeroberung des Roten Rathauses.
- CDU (über 60.000 Plakate): Nach dem überraschenden Verzicht von Kai Wegner im Juli setzen die Christdemokraten auf ihren neuen Spitzenkandidaten, Finanzsenator Stefan Evers. Die CDU gibt sich betont Law-and-Order-orientiert. Unter dem Slogan „Berlin wird sauber“ fordert sie unter anderem knallharte Strafen für Müllsünder.
- Die Grünen (ca. 18.000 Plakate plus Direktkandidaten): Als einzige Partei setzt die Öko-Partei auf ein Duo. Bettina Jarasch und Werner Graf werben auf ihren Themenplakaten für die Mobilitätswende, Klimaschutz und starken Zusammenhalt in den Kiezen.
- AfD (ca. 25.000 Plakate): Angeführt von Kristin Brinker setzt die Partei auf scharfe Protestrhetorik gegen die rot-schwarze Landespolitik und plakatiert primär die Themen Migration, innere Sicherheit und Haushaltskritik.
- Die Linke: Mit Spitzenkandidatin Elif Eralp besetzt die Partei die klassische Mieter- und Oppositionsrolle. Bemerkenswert ist ein sprachliches Detail: Statt für das Amt der „Regierenden Bürgermeisterin“ zu werben, fordert die Linke eine „Bürgermeisterin für Berlin“.
- FDP und BSW: Beide Parteien komplettieren das Straßenbild mit flächendeckenden Kampagnen. Während die Liberalen auf Verwaltungsmodernisierung und Wirtschaft setzen, verknüpft das BSW landespolitische Gerechtigkeitsfragen mit allgemeiner Friedensrhetorik.
Das Ringen um die Macht im Roten Rathaus geht in die entscheidende Phase. Bis zum 20. September gleicht Berlin einem riesigen, bunten Katalog politischer Zukunftsversprechen.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


