Der strategische Kompass für die Zukunft
Potsdam-Mittelmark beschließt neues Leitbild 2026
POTSDAM-MITTELMARK. Ein Leitbild ist eine schriftliche Erklärung einer Organisation oder Kommune, die das Selbstverständnis, die grundlegenden Werte und die langfristigen Ziele für die zukünftige Entwicklung formuliert. Es dient der Politik, der Verwaltung und den Bürgern als Orientierungshilfe und strategischer Kompass für tägliche Entscheidungen, ohne konkrete Einzelmaßnahmen direkt vorwegzunehmen.
Der Kreistag von Potsdam-Mittelmark hat am 30. Juli 2026 ein solches partizipatives Leitbild verabschiedet, das die Fassung von 2012 ablöst und als strategischer Orientierungsrahmen für die kommenden Jahre dient. Unter Einbeziehung von rund 5.000 Bürgerinnen und Bürgern definiert das Dokument Ziele in den Bereichen Lebensqualität, Verwaltungsservice, Wirtschaft und Nachhaltigkeit, wobei der Fokus auf bezahlbarem Wohnraum! und Pflegestrukturen liegt.
Das inhaltliche Fundament des neuen Leitbildes von Potsdam-Mittelmark basiert laut einer Pressemitteilung des Landkreises auf vier zentralen Säulen:
- Lebensqualität und Teilhabe: Gewährleistung einer sozial gerechten, verlässlichen Daseinsvorsorge sowie tragfähiger Lösungen für Pflege, Gesundheit und lebenslanges Lernen.
- Partnerschaftlichkeit und Bürgerfreundlichkeit: Stärkung der Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden sowie die Schaffung einer einfacheren, transparenteren und stärker digitalisierten Verwaltung.
- Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Kreativität: Gezielte Unterstützung von lokalen Unternehmen und Gründungen sowie der Ausbau einer vernetzten, bedarfsgerechten Mobilität.
- Kulturelle Vielfalt und gesunde Lebensräume: Förderung von Kultur und Tourismus bei gleichzeitigem Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen und Ressourcen für kommende Generationen.
Die Kritik an Leitbildern ist allerdings nicht gering:
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- Mangelnde Konkretheit: Viele Formulierungen sind so vage und allgemeingültig gehalten, dass sie im Alltag keine echten Handlungsanweisungen bieten.
- Kluft zur Realität: Die Diskrepanz zwischen anspruchsvollen Zielen im Text und dem realen, oft von Budgetknappheit geprägten Alltag (die sogenannte „Papier-Wirklichkeit“) frustriert Bürger und Mitarbeiter.
- Fehlende Verbindlichkeit: Leitbilder sind rechtlich nicht bindend und enthalten selten konkrete Fristen, Kennzahlen oder Sanktionen bei Nichterfüllung.
- Hoher Ressourcenaufwand: Die Erarbeitung – oft unter Einbindung von externen Beratungsagenturen und aufwendigen Beteiligungsverfahren – steht häufig in keinem Verhältnis zum messbaren Nutzen.
- Gefahr von Scheindemokratie: Wenn bei großen Bürgerbeteiligungen viele Ideen gesammelt, am Ende aber nur weichgespülte Kompromisse im Text verankert werden, führt dies zu Enttäuschungen bei den Teilnehmern.
- Mangelnde Bekanntheit: Nach der feierlichen Verabschiedung verschwinden die Dokumente oft in den Schubladen der Verwaltung, anstatt im Alltag der Angestellten aktiv gelebt zu werden.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto PM)


