Bei Hitze mehr Wasser
Bekommt Teltow jetzt mehr Trinkbrunnen?
TELTOW. Während in Stahnsdorf viele Gemeindevertreter skeptisch sind beim Hitzeschutz, wird es in Teltow konkreter. Denn die Sommer werden heißer: Nach den schweren Hitzewellen der vergangenen Wochen, steht das Thema Hitzeaktionsplanung ganz oben auf der politischen Agenda. Die Fraktion FV GRÜNE/LINKE/PIRATEN hat nun einen Beschlussantrag (DS-121/2026) eingereicht. Ihr Ziel: Der Bürgermeister soll Finanzierungsmöglichkeiten für zusätzliche öffentliche Trinkbrunnen prüfen und geeignete Standorte – wie den Ahlener Platz – ermitteln.
Was in der Vergangenheit von der Stadtverwaltung regelmäßig mit Verweis auf die alleinige Zuständigkeit des Wasser- und Abwasserzweckverbandes (WAZV) abgelehnt wurde, hat sich rechtlich grundlegend gewandelt. Die Bereitstellung von kostenlosem Trinkwasser an öffentlichen Orten ist durch die Umsetzung der EU-Trinkwasserrichtlinie im Wasserhaushaltsgesetz (§ 50 WHG) längst von einer freiwilligen Leistung zu einer Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge geworden, was sicher auch in Stahnsdorf zu Diskussionen führen wird.
Rückenwind erhält der Antrag durch ein brandneues Fachgutachten des Umweltbundesamtes (UBA) vom Juni 2026. Das Gutachten zeigt rechtssichere Wege auf, wie der Bau von Trinkbrunnen sogar über Jahresüberschüsse von Zweckverbänden wie dem WAZV finanziert werden kann – sofern sich die Verbandsgemeinden abstimmen und die Satzung anpassen.
Im Hitzekonzept der Stadt Teltow werden Aufwand und Kosten für solche Brunnen als „gering bis mittel“ und die Realisierung als „einfach“ eingestuft. Die Wirkung für die Bürger sei dagegen sofort spürbar. Großes Vorbild ist Wien, wo im Sommer über 1.000 Brunnen sprudeln, davon 50 mobil an stark frequentierten Plätzen.
Hygienekosten und Vandalismus als Bremser
Ganz ohne Gegenwind dürfte der Antrag im Rathaus dennoch nicht bleiben. Kritiker verweisen auf die unkalkulierbaren Folgekosten. Trinkwasseranlagen im öffentlichen Raum unterliegen strengsten Hygieneauflagen: Regelmäßige Proben auf Keime und Legionellen sowie die jährliche Winterfestmachung binden Personal und Haushaltsmittel. Zudem besteht auf unbewachten Plätzen stets das Risiko von Vandalismus und Verschmutzung. Auch die technische Machbarkeit muss an jedem Standort einzeln geprüft werden – das Aufreißen von Straßen für weit entfernte Wasserleitungen gilt als wirtschaftlich unverhältnismäßig.
Ob sich Teltows Bürger schon im nächsten Sommer am Ahlener Platz kostenlos erfrischen können, hängt nun vom politischen Willen der Stadtverordneten und den anstehenden Verhandlungen mit dem WAZV ab. Die Dringlichkeit des Schutzes der Bürger im Klimawandel dürfte die Diskussion jedenfalls massiv anheizen.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


