Blondie oder Reinhard Mey?

Diskussion um Straßennamen in Stahnsdorfs neuer Siedlung

In Stahnsdorf zeichnet sich eine spannende Kulturdebatte ab. Nachdem Bürgermeister Bernd Albers vorgeschlagen hatte, die Straßen im Neubaugebiet „Schmale Enden“ nach internationalen Rock- und Popstars zu benennen, gibt es nun einen kreativer Gegenvorschlag: Der Stahnsdorfer Gerd Poskowski plädiert für ein bundesweit einzigartiges „Liedermacher-Viertel“ – und will prominente Künstler noch zu Lebzeiten ehren.

STAHNSDORF.  Wie sollen die Straßen in der künftigen Siedlung „Schmale Enden“ heißen? Wenn es nach Bürgermeister Bernd Albers geht, zieht bald internationaler Glamour in die Gemeinde ein. Er brachte die Benennung nach weltbekannten Musikikonen ins Spiel. Doch dieser Vorstoß hat im Ort Reaktionen hervorgerufen. Der Stahnsdorfer Gerd Poskowski greift die musikalische Grundidee zwar begeistert auf, schlägt jedoch eine völlig andere, regional verwurzelte Richtung vor. Seine Idee: Ein Viertel, das ausschließlich lebenden, deutschsprachigen Liedermacherinnen und Liedermachern gewidmet ist.

Für Poskowski hat der Vorschlag eine klare kulturelle Logik. Stahnsdorf besitzt bereits ein Komponistenviertel – der Schritt von den klassischen Meistern zu modernen Musikpoeten, die ihre Texte und Melodien selbst erschaffen, liege daher nah.

„Straßen, die nach internationalen Musikstars wie David Bowie oder John Lennon benannt sind, gibt es an vielen Orten“, gibt Poskowski zu bedenken. Ein reines Liedermacher-Viertel hingegen wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde. Dabei betont er, dass es ihm nicht um eine Ausgrenzung internationaler Künstler geht, sondern um die Würdigung einer ganz besonderen, deutschsprachigen Kulturtradition und Zeitgeschichte.

Der wohl spektakulärste Aspekt des Bürgervorschlags: Die Künstler sollen bereits zu Lebzeiten geehrt werden. In Deutschland ist es üblich, Straßen erst nach dem Tod einer Persönlichkeit nach ihr zu benennen. Poskowski sieht genau darin eine verpasste Chance. In seiner Geburtsstadt Bielefeld scheiterte ein „Hannes-Wader-Weg“ kürzlich genau an dieser bürokratischen Hürde.

Stahnsdorf könnte hier neue Wege gehen. „Die Namensgeber könnten persönlich angesprochen und zur Einweihung ‚ihrer‘ Straße eingeladen werden“, schwärmt Poskowski. Eine Straßeneröffnung mit Legenden wie Reinhard Mey, Ulla Meinecke, Bettina Wegner oder Klaus Hoffmann hätte ohne Frage einen Nachrichtenwert, der weit über die Grenzen der Region hinausreicht.

Viele der vorgeschlagenen Künstler besitzen zudem einen starken Berlin-Brandenburg-Bezug. Während Ikonen wie Reinhard Mey oder Hannes Wader die West-Berliner Szene prägten, steht Gerhard Schöne für die große ostdeutsche Liedermachertradition. Auch die jüngere Generation kommt nicht zu kurz: Mit Namen wie Dota Kehr, Anna Depenbusch oder Alin Coen soll gezeigt werden, dass das Genre hochaktuell ist.

Poskowski hat bereits eine detaillierte, alphabetische Liste mit fast 20 Kandidaten sowie Recherchen zu Lebensdaten und potenziellen Kontroversen vorgelegt. Die Ausarbeitung soll als fundierte Diskussionsgrundlage für die anstehenden politischen Beratungen dienen. Ob am Ende die Rockstars, die Liedermacher oder ganz andere Themen das Rennen machen, entscheiden allerdings die Gemeindevertreter.

PM/Kü

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

 

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