Weniger Personal, mehr Kosten?

Das „Haus der Generationen“ vor ungewisser Zukunft

KLEINMACHNOW.   Am kommenden Donnerstag steht die Gemeindevertretung vor einer Richtungsentscheidung: Soll das „Haus der Generationen“ in der Hohen Kiefer über das Jahr 2026 hinaus verlängert werden? Was wie eine reine Formsache für den beliebten Treffpunkt klingt, entpuppt sich beim Blick in die Beschlussvorlage als finanzpolitische Zerreißprobe. Auf die Gemeinde kommen massive Mehrkosten zu – bei gleichzeitigem Stellenabbau.

Es ist ein Ort der Begegnung: Seit der Erweiterung des Familienzentrums zum „Haus der Generationen“ Anfang 2024 unter der Trägerschaft der Stiftung JOB gGmbH kommen hier Jung und Alt zusammen. Das Angebot reicht von den „Frühen Hilfen“ für junge Familien bis zum Seniorentreff. Doch hinter den Kulissen der sozialen Einrichtung braut sich ein Sturm zusammen.

Ein neuer Beschlussvorschlag sieht vor, den Betrieb vorerst für das Jahr 2027 zu sichern und dem Bürgermeister das Mandat für Verhandlungen zu erteilen. Doch die Zahlen, die der Verwaltungsvorlage anhängen, werfen Fragen auf.

Das Kernproblem ist – wie so oft – das Geld. Für das Jahr 2027 fordert die Vorlage einen Zuschuss von satten 316.000 Euro aus der Gemeindekasse. Das bittere Erwachen folgt beim Abgleich mit der mittelfristigen Finanzplanung der Gemeinde Kleinmachnow. Dort sind für das Projekt eigentlich nur 265.800 Euro pro Jahr vorgesehen. Woher die ungeplante Differenz von gut 50.000 Euro kommen soll, lässt die Vorlage bislang offen.

Verschärft wird die Lage durch Signale aus dem Landratsamt in Bad Belzig: Der Landkreis Potsdam-Mittelmark plant, seine Förderung für Familienzentren im kommenden Jahr halbieren. Statt rund 75.500 Euro fließen dann voraussichtlich nur noch knapp 37.750 Euro nach Kleinmachnow. Weil die Gemeinde vertraglich daran gebunden ist, Förderausfälle des Kreises selbst aufzufangen, verlagert sich das finanzielle Risiko nun vollends auf die kommunalen Steuerzahler.

Um das Defizit abzufedern, greift die Verwaltung zu einer unkonventionellen Maßnahme: Die zwei Vollzeitstellen für die Koordination des Hauses sollen um eine halbe Stelle (0,5 VZÄ) gekürzt werden.

Gleichzeitig versichert der Träger JOB gGmbH, das Angebot könne im gewohnten Umfang aufrechterhalten und sogar bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Wie ein Minus von 25 Prozent bei der Arbeitszeit ohne spürbare Qualitätseinbußen oder die Streichung von Angeboten funktionieren soll, bleibt das Geheimnis des Trägers. Kritiker in den Fraktionen befürchten bereits eine Überlastung der verbleibenden Kräfte – oder ein stillschweigendes Schrumpfen des Programms.

Fragen wirft auch die inhaltliche Ausgestaltung auf. In den zu bezuschussenden Personalkosten ist nach wie vor die werktägliche Belieferung von nicht mehr mobilen Seniorinnen und Senioren mit Mittagessen enthalten. Finanziert wird dafür unter anderem ein Leasing-Fahrzeug für 10.000 Euro im Jahr. Was zweifellos ein wichtiger sozialer Dienst ist, wirft im Kern die Frage nach der Zuständigkeit auf: Gehört eine klassische Essensauslieferung („Essen auf Rädern“) in das Budget eines offenen Begegnungsortes, oder werden hier Aufgaben der ambulanten Pflege mit Mitteln der Familien- und Jugendhilfe vermischt?

Apropos Jugend: Eine offizielle Kinder- und Jugendbeteiligung, wie sie die Brandenburgische Kommunalverfassung bei solchen Projekten eigentlich zwingend vorschreibt, wurde im Vorfeld gar nicht erst durchgeführt. Die Begründung der Verwaltung, es fehle hier an „Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum“, wirkt wie eine Ausrede, um das Verfahren zu beschleunigen.

Besonders die zeitliche Schiene des Antrags stößt auf Skepsis. Der Beschluss soll den Betrieb lediglich um ein einziges Jahr (2027) verlängern. Ein langfristiges Konzept ab 2028 soll der Bürgermeister erst im ersten Quartal 2027 vorlegen.

Da die Kündigungsfrist mit dem Träger am 30. Juni 2027 abläuft, bleibt der Politik nach den Ausschussrunden im Frühjahr kaum Zeit für eine echte, ergebnisoffene Debatte. Weil das Jahr 2027 dann schon läuft und der Zeitdruck enorm ist, wird eine weitere Verlängerung mangels Alternativen fast alternativlos.

Doch ob die Gemeindevertreter bereit sind, diesen Blankoscheck für das Jahr 2027 ohne Nachbesserungen zu unterschreiben, wird sich am Donnerstag zeigen. Die Debatte dürfte hitzig werden.

Bild: Haus der Generationen   (Foto JOB gGmbH)

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