Jugendgewalt und Vandalismus
Nicht nur der Potsdamer Schlaatz hat ein Problem
REGION. Wenn in den vergangenen Monaten über Jugendkriminalität und Bandenbildung in der Region gesprochen wurde, richtete sich der Blick meist auf den Potsdamer Stadtteil Schlaatz. Doch die Annahme, das Phänomen beschränke sich auf urbane Problemviertel, erweist sich zunehmend als Trugschluss. Auch im vermeintlich idyllischen und gut situierten Berliner Speckgürtel – in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf (TKS) – melden Verwaltung und Polizei Probleme. Jugendgewalt und Vandalismus sind auch vor den Toren der Landeshauptstadt angekommen.
Die Vorfälle, die in den Rathäusern der TKS-Gemeinden diskutiert werden, zeichnen ein wenig rosiges Bild. Es geht nicht mehr nur um klassischen jugendlichen Leichtsinn, sondern um gezielte Kriminalität. Besonders besorgniserregend ist eine Masche, bei der ältere Jugendliche gezielt jüngere Kinder bedrängen. Unter Androhung oder Anwendung von körperlicher Gewalt werden Bargeld, Markenkleidung oder Smartphones erpresst. Allein in Kleinmachnow hat die Verwaltung bereits vier solcher schwerwiegenden Fälle von Jugendgewalt offiziell registriert. Von einer Dunkelziffer, der „Spitze des Eisbergs“, ist hinter vorgehaltener Hand die Rede.
Die sichtbaren Spuren der Eskalation zeigen sich im öffentlichen Raum, insbesondere auf den Spielplätzen der Region. In Kleinmachnow zieht die Gemeinde nun eine drastische Konsequenz: Der Spielplatz an der Förster-Funke-Allee Nord wird ab dem 2. November komplett abgebaut. Jugendliche hatten das Areal als Treffpunkt zweckentfremdet, Müllberge hinterlassen, Graffiti gesprüht, Bodenplatten zerstört und Einkaufswagen sowie Fahrräder demoliert. Eine friedliche Nutzung durch Familien war kaum noch möglich. Dass sich durch die Verwüstung und den Unrat inzwischen auch Wildschweine das Gelände als Ruheplatz erobert haben, gab den Ausschlag für den endgültigen Rückbau.
Auch die Nachbargemeinden bleiben nicht verschont. Der Pavillion hinter dem Gemeindezentrum wurde schon vor längerer Zeit demoliert und wurde darauf nicht mehr instand gesetzt. In Teltow häufen sich derweil die Polizeieinsätze wegen Einbrüchen, Vandalismus und gewaltsamen Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum sowie in Gemeinschaftsunterkünften.
Die Entwicklung in der TKS-Region zeigt deutlich, dass Gewalt kein exklusives Problem sozialer Brennpunkte wie dem Schlaatz ist. Die Täterstrukturen und das Aggressionspotenzial verschieben sich zunehmend in den suburbanen Raum. Für die Kommunen wächst damit der Druck, neben repressiven Polizeimaßnahmen auch die Streetwork- und Präventionsarbeit massiv auszubauen, um die Kontrolle über die öffentlichen Plätze nicht vollends zu verlieren. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist es fragwürdig in der Prävention zu sparen, zum Beispiel bei Familienzentren und anderen Orten, wo junge Menschen, sich friedlich auszutauschen können.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


