Zukunft der Alten Feuerwache
Stahnsdorf diskutiert über Wiederaufbau des historischen Dorfplatzes
STAHNSDORF. Die Zukunft der ehemaligen Feuerwache am Stahnsdorfer Dorfplatz bleibt eines der am heißesten diskutierten Themen der lokalen Kommunalpolitik. Um Bewegung in die festgefahrenen Debatten zu bringen und konkrete Perspektiven aufzuzeigen, lud die Gemeindeverwaltung am vergangenen Mittwoch zu einer gemeinsamen Begehung des Areals ein.
Bürgermeister Bernd Albers und sein Fachbereichsleiter Frank Piper nutzten den Vor-Ort-Termin, um ihre Visionen für das historische Ensemble zu präsentieren. Begleitet wurden sie dabei von rund 25 Gemeindevertretern sowie sachkundigen Einwohnern, die sich selbst ein Bild vom Zustand und dem Potenzial des Geländes machen wollten. Das erklärte Ziel des Treffens war es, eine klare visuelle und räumliche Vorstellung davon zu entwickeln, was an diesem zentralen Ort in Zukunft entstehen könnte.
Die Pläne: Rückkehr zum historischen Vierseitenhof
Im Zentrum der Verwaltungsvision steht eine städtebauliche Brücke in die Vergangenheit: Die Verwaltung plant insbesondere, den geschichtsträchtigen Charakter des Geländes als Vierseitenhof wiederherzustellen. Das Herzstück dieses Vorhabens bildet die Schließung der zurzeit offenen Straßenfront.
An genau dieser Stelle soll nach den Vorstellungen des Bürgermeisters ein markanter Neubau errichtet werden. Die Dimensionen des geplanten Gebäudes sollen dabei so gewählt werden, dass es groß genug ist, um als neues kulturelles und gesellschaftliches Zentrum für Veranstaltungen im Ort zu dienen. Damit würde Stahnsdorf nicht nur ein historisches Stadtbild zurückgewinnen, sondern auch benötigten Raum für Gemeinschaftsleben schaffen.
Ein Ort mit dunkler Geschichte und sowjetischer Spur
Die Pläne zur Schließung der Straßenfront berühren auch ein sensibles Kapitel der Stahnsdorfer Ortsgeschichte. Dass das Areal heute überhaupt in seiner jetzigen, unvollständigen Form existiert, geht auf die Wirren der Nachkriegszeit zurück.
Historischen Berichten zufolge wurde das ursprüngliche Vordergebäude des Ensembles kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von sowjetischen Truppen niedergebrannt. Der Grund für die Zerstörung war ein drastischer Verdacht: Die sowjetische Militärverwaltung vermutete in dem Gebäude eine einstige NS-Zentrale, weil man dort ein paar Wehrmachtsuniformen fand. Durch das Feuer wurde das Gesicht des Dorfplatzes nachhaltig verändert – eine Wunde im Ortsbild, die durch die jetzigen Pläne der Verwaltung nach vielen Jahrzehnten endgültig geschlossen werden könnte.
Finanzierungssorgen und politische Spaltung
Trotz der historischen Argumente und des potenziellen Gewinns für das Gemeindeleben ist das Vorhaben im Ort stark umstritten. Die Diskussionen über die Zukunft des Ensembles ziehen sich bereits seit längerer Zeit hin, und in der Gemeinde stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber:
- Die Kritiker: Sie verweisen vor allem auf die angespannte Haushaltslage. Aus ihrer Sicht sind die Kosten für eine derart umfassende Neugestaltung und den Bau eines großen Veranstaltungsgebäudes schlicht zu hoch und für die Gemeinde finanziell nicht tragbar. Sie sehen auch Probleme wegen des Ensembleschutzes an der Stelle und fragen sich, wie die Interessen der benachbarten Werkstatt einbezogen werden können.
- Die Befürworter: Sie halten dagegen, dass das geschichtsträchtige Gelände im Herzen von Stahnsdorf ein Filetstück darstellt. Man dürfe das Areal auf keinen Fall sich selbst überlassen und verkommen lassen. Eine Investition in den Dorfplatz sei eine Investition in die Identität des Ortes.
Entscheidung am kommenden Dienstag
Die Zeit des Taktierens neigt sich nun dem Ende zu. Am kommenden Dienstag kommt die Gemeindevertretung zu einer entscheidenden Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die fundamentale Frage, wie es mit der Alten Feuerwache weitergehen soll.
Dabei müssen die Abgeordneten Farbe bekennen und final darüber befinden, ob dem Projekt der Verwaltung eine Chance gegeben wird und – die entscheidende Hürde – ob es im kommenden Haushalt überhaupt eine Finanzierung für das Millionenprojekt geben soll. Immerhin würde, wenn man das ganze Gelände betrachtet, eine Komplettierung des Vierseitenhofs nur ein Anfang sein.
Kü
Bild: Alte Feuerwache (Foto Kü)


