Diskriminiert, aber man bleibt trotzdem

MAZ spricht von Zermürbung

POTSDAM-MITTELMARK. Sie kommen aus Ländern, in denen ständig Bürgerkrieg herrscht, die verschiedenen ethnischen Gruppen sich hassen und religiöse Gewalt üblich ist. Oder ein Diktator übt Macht aus und unterdrückt die Menschen. Ebenfalls ein Charakterzug dieser Länder: Korruption und Clanwesen. Die Folge: Man sucht ein besseres Leben in Deutschland. Doch hier passt es auch nicht ganz. Der Grund: Diskriminierung.

Die MAZ hat deshalb in einem großen Artikel über die Diskriminierung von Migranten in PM geschrieben. Da spreche man die Migranten einfach auf Englisch an oder man rede lauter und langsamer, als könne der Migrant es nicht verstehen. Und dann die Geschichte mit den Namen. Deutsche fragten, wie man die Namen ausspreche. Das sei ebenfalls diskriminierend.

Und natürlich gehört es sich nicht, dass man Menschen beleidigt, nur weil sie aus anderen Ländern kommen. Aber mit dem, was die Migranten Diskriminierung nennen, muss man schon rechnen. Denn das ist menschlich und üblich.

Psychologisch gesehen ist dieses Phänomen ein faszinierendes Zusammenspiel aus Selbstschutz, Höflichkeitsnormen und evolutionären Instinkten. Fremde werden deshalb distanzierter, kühler oder gar herablassend behandelt. Die Ursachen hierfür liegen tief in unserer Biologie:

In-Group/Out-Group-Bias: Unser Gehirn kategorisiert Menschen blitzschnell in „Wir“ (die eigene Gruppe) und „Die“. Während wir Mitgliedern der eigenen Gruppe automatisch mehr Vertrauen und Empathie entgegenbringen, begegnen wir der „Out-Group“ mit evolutionär bedingter Vorsicht.

Projektion von Unsicherheit: Das Unbekannte erzeugt eine kognitive Last. Da wir die Absichten eines Fremden nicht einschätzen können, reagieren viele Menschen mit Abwehr oder Überlegenheit, um die eigene Unsicherheit zu überspielen.

Reaktanz: Ein weiterer Aspekt ist Reaktanz. Die Psychologie definiert Reaktanz als jenen inneren Widerstand, der erwacht, sobald wir unsere Handlungsfreiheit bedroht sehen. Wenn Medien oder Aktivisten gebetsmühlenartig wiederholen, dass eine ungelenke Aussprache Migranten beleidige, wird das Sprechen im Alltag plötzlich moralisch aufgeladen. Was früher ein harmloser Versprecher war, wird nun zur potenziellen Diskriminierung deklariert.

Für viele Menschen fühlt sich das nicht nach einem Lernangebot an, sondern nach Bevormundung. Das Ergebnis ist ein klassischer Bumerang-Effekt: Anstatt sich besonders viel Mühe zu geben, reagiert ein Teil der Bevölkerung mit Trotz. „Man darf ja gar nichts mehr sagen“, lautet der resignierte oder wütende Tenor.

Das Problem ist die Verschiebung der Motivation. Freiwillige Höflichkeit ist ein sozialer Klebstoff. Verordnete oder moralisch erzwungene Korrektheit hingegen wird als Fremdbestimmung erlebt. Wenn die korrekte Aussprache eines Namens wie Choudhury oder Öztürk nicht mehr als Geste der Neugier, sondern als Pflichtaufgabe zur Vermeidung von Rassismusvorwürfen wahrgenommen wird, sinkt die Bereitschaft zur echten Begegnung. Die Folge: Menschen ziehen sich aus Gesprächen zurück oder gehen in die Defensive.

Fazit
Dass wir Fremde anders behandeln, ist ein natürlicher Mechanismus. Wir nutzen sie entweder als Bühne für unsere ideale Selbstdarstellung oder als Projektionsfläche für unsere Ängste. Ein Bewusstsein für diese Muster hilft uns dabei, Begegnungen objektiver zu gestalten und die „soziale Maske“ hin und wieder bewusst abzusetzen oder aufzusetzen. Ebenfalls hilfreich: Die Deutschen nicht unbedingt ständig zu brandmarken. Denn immerhin waren sie so nett und haben seit 1955 Millionen Menschen in ihr Land gelassen. Da kann es schon als Unhöflichkeit wahrgenommen werden, wenn man nur darüber spricht, wie schlecht die Deutschen einen behandeln.

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

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