Brandenburg verzeichnet historischen Höchststand bei Zuwanderung

Auch in der Region starke Veränderungen

BRANDENBURG.   Ende 2024 lebten rund 211.500 Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Brandenburg, was einer Verdreifachung des Ausländeranteils innerhalb von zehn Jahren auf 7,2 Prozent entspricht. Am Beispiel der kaufkraftstarken Stadt Teltow im Landkreis Potsdam-Mittelmark, wo der Ausländeranteil bei rund 5,7 Prozent liegt, zeigt sich diese Transformation besonders dynamisch im Spannungsfeld zwischen Asylzuwanderung, internationalem Arbeitsmarkt und der direkten Nähe zur Metropole Berlin.

Die demografische Landkarte Brandenburgs hat sich in den vergangenen zehn Jahren fundamental gewandelt. Die amtlichen Register zeichnen ein eindeutiges Bild der Dynamik:

  • Bevölkerungsanteil: Im Jahr 2014 lag der Ausländeranteil in Brandenburg noch bei geringen 2,6 Prozent (rund 67.600 Personen). Bis Ende 2024 stieg dieser Wert auf 7,2 Prozent (211.470 Personen).
  • Häufigste Herkunftsländer: Die größte Gruppe bilden Personen aus der Ukraine (ca. 34.200 Personen), gefolgt von polnischen Staatsbürgern (ca. 29.400) und Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern aus Nahen Osten. Zuletzt verzeichnete das Land zudem einen starken Zuwachs an indischen Fachkräften und Studenten.

Ausländische Arbeitskräfte machen mittlerweile rund 12 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land aus. Besonders stark vertreten sind sie im Gastgewerbe (30 Prozent) sowie im Bereich Verkehr und Logistik (24,7 Prozent).

Ein überraschender Spitzenwert zeigt sich im Hochschulsektor: Mit einem Anteil von 26,2 Prozent ausländischen Studierenden belegt Brandenburg einen bundesweiten Spitzenplatz, wobei fast die Hälfte davon in Ingenieurwissenschaften eingeschrieben ist.

Während kreisfreie Städte wie Frankfurt (Oder) (16,7 Prozent) oder Cottbus (12,6 Prozent) die höchsten Quoten aufweisen, bietet die Stadt Teltow im Landkreis Potsdam-Mittelmark das perfekte Beispiel für den Wandel im Berliner Umland. Potsdam-Mittelmark selbst verzeichnete im Rahmen der jüngsten Ausländerstatistik einen Ausländeranteil von circa sechs Prozent, Teltow bewegt sich mit rund sechs Prozent über dem Durchschnitt des Kreises.

Historisch war Teltow vor allem durch den Zuzug von Familien aus Berlin oder Westdeutschland geprägt. Seit 2015 der Merkelöffnung und verstärkt durch den Ukraine-Krieg ab 2022 hat sich das Gesicht der Stadt jedoch stark verändert. Neben der kommunalen Unterbringung von Asylanten, was wirtschaftlich belastend ist, profitiert Teltow als Wirtschaftsstandort (insbesondere im Techno-Terrain und dem hiesigen Dienstleistungssektor) vom internationalen Zuzug qualifizierter Fachkräfte. Das Bild ist also gemischt.

Die veränderte Lage in Teltow spiegelt typische Herausforderungen prosperierender Regionen wider:

  • Wohnungsnot: Durch die ohnehin enorme Nachfrage im Speckgürtel konkurrieren Asylbewerber, internationale Fachkräfte und Einheimische auf einem extrem angespannten Wohnungsmarkt.
  • Gehaltsstrukturen: Der Landesbericht zeigt, dass ausländische Vollzeitbeschäftigte in Brandenburg im Mittel rund 550 Euro weniger verdienen als der Durchschnitt. In Teltow führt dies zu einer sozialen Segmentierung: Während internationale IT-Spezialisten im High-End-Segment mieten, konzentrieren sich Asylanten oft in den wenigen günstigeren Wohnquartieren oder bleiben überdurchschnittlich lange in Gemeinschaftsunterkünften. Manche wohnen dort schon seit 2015, ohne Aussicht auf eine Wohnung. 
  1. Bildung und soziale Infrastruktur vor Ort

In den Teltower Kitas und Schulen schlägt sich die Zuwanderung direkt nieder. In ganz Brandenburg liegt der Anteil zugewanderter Schüler an Oberschulen bei 12,9 Prozent, an Gymnasien hingegen nur bei 5,4 Prozent. Für eine Stadt wie Teltow, die über eine gut ausgebaute Bildungslandschaft verfügt, bedeutet dies einen permanenten Kraftakt bei der Bereitstellung von Sprachförderung und Integrationsklassen (sogenannten Willkommensklassen), um die Schere zwischen den Schulformen nicht weiter auseinandergehen zu lassen.

Fazit und Ausblick

Der massive Zuwachs des Ausländeranteils von 2,6 auf 7,2 Prozent in nur einem Jahrzehnt stellt Brandenburg vor große Herausfordungen.  Am Beispiel Teltow wird deutlich, dass das schiere Tempo dieser Entwicklung die Belastungsgrenzen des Landes überschreitet. Es greift zu kurz, immer nur eine schnellere Integration einzufordern: Die Wohnungs- und Schulsituation sowie die mangelnde gesellschaftliche Teilhabe zeigen vielmehr, dass die Aufnahmekapazitäten der Systeme – von Behörden über Schule und Wohnen bis hin zur Stadtgesellschaft – schlicht erschöpft sind. Geht es aber so weiter, ist zu befürchten, dass die negative Entwicklung in Berlin auch auf Brandenburg übergreift.  

 

PM/Kü

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

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