Fünf Jahre mehr Stau
Neubau der Knesebeckbrücke verzögert sich dramatisch
TELTOW / BERLIN – Pendler zwischen Brandenburg und dem Berliner Südwesten müssen jetzt ganz stark sein: Der dringend benötigte Neubau der maroden Knesebeckbrücke verschiebt sich um weitere fünf Jahre. Wie der Tagesspiegel zuerst berichtete, werden die Bagger an der wichtigen Verkehrsader zwischen Teltow und Berlin-Zehlendorf statt wie geplant 2026 erst im Jahr 2031 anrollen. Damit bleibt das seit rund 40 Jahren bestehende Provisorium noch fast ein Jahrzehnt länger Schauplatz des täglichen Berufsverkehr-Wahnsinns.
Hauptursache für die drastische Verzögerung ist laut dem Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) Berlin ein akuter Personalmangel. Die Behörde sieht sich schlicht nicht in der Lage, das Großprojekt parallel zu anderen Baustellen zu stemmen. Erst wenn die Arbeiten an der nahegelegenen Bäkebrücke im Jahr 2029 abgeschlossen sind, können die Planer Kapazitäten für die Knesebeckbrücke freimachen. Da die Bauzeit auf rund zweieinhalb Jahre geschätzt wird, ist eine Fertigstellung frühestens Ende 2033 realistisch.
Dabei schien der Weg für die neue Brücke über den Teltowkanal Anfang 2024 endlich frei zu sein. Zuvor hatte ein jahrelanger, zäher politischer Streit über die Brückenbreite das Projekt blockiert. Die Beteiligten einigten sich schließlich auf eine Beibehaltung der historischen Breite von 15,51 Metern – ein deutlicher Gewinn gegenüber der aktuellen provisorischen Stahlkonstruktion, die sich auf gerade einmal 10,24 Meter verengt und täglich rund 18.600 Fahrzeuge durchschleusen muss. Durch den Verzicht auf eine teure Sonderbreite übernimmt der Bund die geschätzten Baukosten von acht bis zwölf Millionen Euro komplett.
Der langersehnte politische Kompromiss wird nun jedoch von der harten Realität des Fachkräftemangels eingeholt. Für die ohnehin leidgeprüften Autofahrer bedeutet die Nachricht: Der Dauerstau geht bis mindestens 2031 unvermindert weiter.
Und es kommt noch dicker: Sobald die Bauarbeiten im Jahr 2031 beginnen, droht der absolute Verkehrskollaps. Ob während der zweieinhalbjährigen Bauzeit eine Behelfsbrücke errichtet wird oder weiträumige Umleitungen eingerichtet werden müssen, ist derzeit noch völlig unklar. Die Ausschreibung für diese elementare Vorplanung soll laut WNA im kommenden Winter starten.
Selbst nach einer potenziellen Fertigstellung im Jahr 2033 ist das Nadelöhr im Berufsverkehr nicht automatisch Geschichte. Der direkt an die Brücke grenzende Teltower Damm auf Berliner Seite ist in einem maroden Zustand. Um den künftigen Verkehrsfluss aufzunehmen, müsste die Straße komplett zweispurig und inklusive moderner Radwege neu gebaut werden. Das Problem: Im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf gibt es dafür bisher weder konkrete Planungen noch das nötige Geld im Haushalt. Die Geduld der Pendler in der Region wird somit weit über das Jahr 2031 hinaus auf eine historische harte Probe gestellt.
PM/Kü
Bild: Knesebeckbrücke (Foto Wikipedia)


