Der Baumpate

Zwischen echter Überlebenshilfe und grünem Ablasshandel

REGION.     Ein eigener Baum als Retter in der Klimakrise – das klingt verlockend. Ob als aktiver Gießer in der Nachbarschaft oder per Mausklick im fernen Klimaschutzwald: Baumpatenschaften werden nachgefragt. Doch wie viel bewirken die grünen Patenschaften wirklich? Ein Blick auf die Kehrseiten und die echten Erfolge eines Umwelttrends.

Wer im Hochsommer durch deutsche Innenstädte spaziert, sieht sie immer öfter: bunte Schilder an hölzernen Pfählen, die stolz verkünden, dass dieser Linden- oder Ahornsetzling einen Paten hat. Angesichts vertrockneter Rasenflächen und Rekordtemperaturen greifen immer mehr Bürger selbst zur Gießkanne. Gleichzeitig werben Online-Portale damit, mit nur wenigen Euros das Gewissen zu beruhigen und Bäume in aller Welt zu pflanzen. Doch die Kritik an den vermeintlichen Klimarettern wächst.

Bei den aktiven Baumpatenschaften in den Kommunen wie Stahnsdorf oder Kleinmachnow sind sich Experten einig: Hier wird echte, messbare Hilfe geleistet. Straßenbäume leben unter Extrembedingungen. Asphaltierte Böden, Bodenbelastungen und die enorme Hitzeentwicklung in den Häuserzeilen setzen ihnen massiv zu. Die kommunalen Betriebe kommen mit dem Wässern junger Bäume kaum noch hinterher.

Wer hier eine Patenschaft übernimmt und in den heißen Monaten wöchentlich mehrere Eimer Wasser an die Baumscheibe bringt, sichert das Überleben des Grüns im Viertel. Der Nutzen ist sofort spürbar. Die Bäume kühlen die aufgeheizte Straßenluft, spenden Schatten und filtern Feinstaub. Zudem fördert das gemeinsame Gießen das Bewusstsein für die Natur im urbanen Raum und stärkt den Zusammenhalt in der Nachbarschaft.

Deutlich kritischer fällt die Bilanz bei rein finanziellen Baumpatenschaften im Internet aus. Viele Anbieter versprechen, gegen eine kleine Gebühr einen Baum zu pflanzen und damit den CO₂-Ausstoß der Paten zu kompensieren. Umweltschützer sprechen hierbei jedoch zunehmend von „grünem Ablasshandel“.

Das Hauptproblem ist der Faktor Zeit. Ein frisch gepflanzter Setzling benötigt Jahrzehnte, um nennenswerte Mengen Kohlenstoffdioxid zu binden. Wer heute fliegt und das ausgestoßene CO₂ mit einer Baumspende ausgleichen will, verschiebt die Rettung in die ferne Zukunft. Hinzu kommt das Risiko der Nachhaltigkeit: Viele billig gepflanzte Monokulturen vertrocknen ohne jahrelange, teure Pflege, werden von Schädlingen vernichtet oder fallen Waldbränden zum Opfer. Im schlimmsten Fall verpufft das gespendete Geld wirkungslos. Man hat so nur sein Gewissen beruhigt. In Deutschland kommt hinzu, dass Waldbesitzer gesetzlich ohnehin zur Wiederaufforstung verpflichtet sind – Spender finanzieren hier oft Pflichtaufgaben der Forstwirtschaft.

Baumpatenschaften sind kein Allheilmittel gegen den Klimawandel, aber sie können einen wertvollen Beitrag leisten, wenn sie richtig angegangen werden und lokal sind. Am effektivsten bleibt der Einsatz tatsächlich vor der eigenen Haustür mit der Gießkanne.

Heute verzeichnet die offizielle Statistik der Gemeindeverwaltung Kleinmachnow mindestens 111 aktive Patenschaften. Das Prinzip ist simpel, aber effektiv: Die Gemeinde stellt den Paten spezielle 60-Liter-Wassersäcke zur Tröpfchenbewässerung bereit, die Bürger füllen sie regelmäßig auf. Als Anerkennung gibt es neben einer Urkunde auch einen Eintrag in der digitalen Baumdatenbank des Ortes. Trotz des Erfolgs ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, denn im Gemeindegebiet warten weiterhin Hunderte Jungbäume auf engagierte Helfer.

Auch in der Nachbargemeinde Stahnsdorf wächst die Bereitschaft, Verantwortung für das lokale Grün zu übernehmen. Hier setzt man auf eine Kombination aus Muskelkraft und finanzieller Unterstützung. Im Spätsommer 2020 wurden im Rahmen der kommunalen Gieß-Aktion die ersten 18 Patenschaften für Straßenbäume feierlich besiegelt. Seitdem wächst die Zahl der Nachbarn, die sich unbürokratisch um den Baum direkt vor ihrer Haustür kümmern, stetig weiter.

Wer keine Möglichkeit zum Schleppen von Wassereimern hat, nutzt in Stahnsdorf eine andere, regionale Alternative: Auf der Streuobstwiese des BUND Berlin im Gemeindegebiet werden regelmäßig neue Obstbäume gepflanzt. Die limitierten Patenschaften – oft rund 20 Bäume pro Pflanzphase – sind bei Naturfreunden und als nachhaltige Geschenkidee heiß begehrt. Für einen Beitrag ab 150 Euro finanzieren die Paten die Pflanzung und Pflege und dürfen beim Setzen des eigenen Baumes sogar selbst mit anpacken.

Wer eine Baumpatenschaft übernehmen möchte, hat in der Region also einige Möglichkeiten. Er wendet sich bei Interesse in Stahnsdorf am besten an Klimaschutzmanager Herrn Pierog unter m.pierog@stahnsdorf.de oder wählt in Kleinmachnow 033203 877 2132.

PM/Kü

 

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