Hitze-Vorsorge für Stahnsdorf
Verwaltung soll aktiv werden
STAHNSDORF. Die Gemeinde Stahnsdorf soll sich gegen die gesundheitlichen Gefahren durch extreme Sommerhitze wappnen. Die Gemeindevertretung könnte entsprechende Beschlüsse fassen, die kurioserweise von der AfD und der SPD stammen. Während die beiden Anträge in ihren Kernzielen große Schnittmengen aufwiesen, offenbarten sie in der strategischen Ausrichtung und der zeitlichen Zielsetzung deutliche Unterschiede.
Trotz unterschiedlicher politischer Ausgangspunkte herrschte Einigkeit über die Dringlichkeit des Themas. Im Fokus stehen vor allem besonders gefährdete Risikogruppen:
- Senioren und Pflegebedürftige
- Chronisch Kranke
- Säuglinge und Kleinkinder
Beide Seiten betonten, dass der Schutz dieser Bevölkerungsgruppen vor Extremtemperaturen und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken oberste Priorität hat. Auch beim Thema Finanzen im ersten Schritt herrschte Konsens: Durch den Grundsatzbeschluss entstehen der Gemeinde zunächst keine direkten Zusatzkosten für Sachausgaben. Der entstehende Personalaufwand wird intern abgefangen. Höhere Folgekosten für spätere Einzelmaßnahmen müssen von der Verwaltung separat aufbereitet und der Politik vorgelegt werden.
Hinter den Kulissen zeigten sich jedoch zwei grundlegend verschiedene Herangehensweisen an das Problem:
- Der strategische Ansatz der SPD
Die SPD argumentiert explizit mit den Folgen des Klimawandels und den spürbar zunehmenden Hitzewellen. Ihr Fokus liegt auf einem ganzheitlichen, wissenschaftlich fundierten Aktionsplan. Dieser soll neben Akutmaßnahmen vor allem mittel- und langfristige städtebauliche Konzepte verknüpfen. Dazu gehört der Erhalt und die gezielte Aufwertung von Grün- und Freiflächen, um das Mikroklima im Ort nachhaltig zu kühlen. Als fachliche Basis forderte die SPD eine systematische Erfassung besonders hitzebelasteter Zonen wie Kitas, Schulen, Spielplätze und Haltestellen.
- Der pragmatische Ansatz der AfD
Die AfD wiederum klammerte die Diskussion um den Klimawandel in ihrer Begründung bewusst aus. Sie argumentierte, Sommerhitze habe es schon immer gegeben und Stahnsdorf müsse schlicht handlungsfähig sein. Ihr Antrag konzentrierte sich rein auf einen kurzfristigen Prüfauftrag zur Nutzung bereits vorhandener Ressourcen. Langfristige städtebauliche Veränderungen wurden als „nicht akut helfend“ hintenangestellt. Stattdessen setzte die Fraktion auf kreative, teils unkonventionelle Sofortideen im Akutfall.
Der nun verabschiedete Katalog vereint die spezifischen Ideen beider Ursprungsanträge zu einem konkreten Handlungsrahmen für die Verwaltung:
- Kühle Zufluchtsorte („Cool Spaces“): Bei extremen Hitzewellen sollen öffentliche Gebäude wie das Rathaus und die Gemeindebibliothek als temporäre Zufluchtsorte geöffnet werden. Zudem wird das Gespräch mit den örtlichen Kirchengemeinden gesucht, um kühle Kirchenräume zu nutzen. Für das Freibad Kiebitzberge sind flexible, verlängerte Öffnungszeiten in den Abendstunden im Gespräch.
- Entschärfung von Hitze-Inseln: Auf stark versiegelten Flächen sollen mobile Verschattungselemente wie Sonnensegel oder Großpflanzen in Kübeln zum Einsatz kommen. Auch der temporäre Einsatz von Sprühnebel-Anlagen in Fußgängerbereichen soll geprüft werden.
- Kostenlose Trinkwasserversorgung: An zentralen Plätzen und ÖPNV-Knotenpunkten sollen in Kooperation mit dem lokalen Wasserversorger MWA Trinkbrunnen entstehen. Zudem wird das „Refill“-Konzept unterstützt, bei dem Geschäfte das kostenlose Auffüllen von Mitbring-Trinkflaschen erlauben.
- Kommunikation und Nachbarschaftshilfe: Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sollen über digitale Kanäle und Apps (NINA/KATWARN) offensiv verbreitet werden. Für alleinlebende Senioren wird die Einrichtung eines ehrenamtlich getragenen „Hitzetelefons“ über soziale Träger oder den Seniorenbeirat geprüft.
- Lockerungen in der Verwaltung: Der Bürgermeister soll prüfen, ob bei Extremhitze die Arbeitszeiten des Bauhofs in die kühleren Morgenstunden verlegt und die Dresscodes für die Verwaltungsmitarbeiter im Publikumsverkehr gelockert werden können.
Auch bei den Fristen gab es im Vorfeld Diskussionen. Die AfD forderte schnelle Ergebnisse bis zum Sitzungsturnus im November 2026. Die SPD plädierte für eine gründlichere Ausarbeitung bis zum Frühjahr 2027.
Die Verwaltung der Gemeinde Stahnsdorf bewertet die geprüften Hitzeschutzmaßnahmen grundsätzlich positiv, betont jedoch, dass viele Vorschläge hohe personelle, finanzielle oder rechtliche Aufwände bedeuten und teilweise außerhalb der direkten Zuständigkeit liegen. Während die Kommunikation über digitale Kanäle und die Prüfung von Kühlen Zufluchtsorten in öffentlichen Gebäuden machbar sind, werden mobile Verschattungen aus Haftungsgründen abgelehnt und komplexe Maßnahmen wie Trinkbrunnen oder Sprühnebelanlagen erfordern externe Partner. Das sei ein Problem.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


