U3-Verlängerung zum Mexikoplatz vor dem Aus
Schlägt das Berliner Debakel auf das S-Bahnprojekt durch?
BERLIN / BRANDENBURG. Das Prestigeprojekt der Berliner U-Bahn-Verlängerung von der Krummen Lanke bis zum Mexikoplatz steht offenbar vor dem endgültigen Scheitern. Obwohl die Bezirkspolitik das Vorhaben vehement befürwortet – während die Bürgerinitiative „Rettet den Mexikoplatz“ erbitterten Widerstand leistet – könnten nun rein wirtschaftliche Faktoren das Projekt beerdigen.
Explodierende Baukosten und eine fehlerhafte Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) drohen laut Tagesspiegel die Verlängerung der Linie U3 zu stoppen. Vor diesem Hintergrund wächst auch das Misstrauen gegenüber anderen regionalen Schienenprojekten, allen voran der seit Jahren geforderten S-Bahn-Verlängerung nach Stahnsdorf. Der bittere Tenor in der Region: Wenn die Politik nicht einmal 800 Meter U-Bahn-Tunnel im Stadtgebiet realisieren kann, wie soll dann ein länderübergreifendes Großprojekt gelingen?
Hauptgrund für das drohende U-Bahn-Aus sind die prognostizierten Kosten, die inzwischen auf astronomische 330 Millionen Euro für die kurze Neubaustrecke angestiegen sind. Zudem sorgt laut Tagesspiegel ein bürokratisches Detail für ein kalkulatorisches Desaster: In die Wirtschaftlichkeitsrechnung war eine neue Expressbus-Linie (X23) positiv eingerechnet worden, die es in der Realität noch gar nicht gibt und die nun wegfällt. Ohne diesen Faktor und angesichts der Baukostenkrise droht das Projekt unter den magischen NKU-Wert von 1,0 zu rutschen. Die Folge: Bundesfördermittel würden komplett wegfallen, und das Land Berlin müsste die dreistellige Millionensumme alleine stemmen – in Zeiten klammer Haushaltskassen ein kaum vorstellbares Szenario.
Dieses Scheitern sendet ein fatales Signal an das Umland. Die seit Jahrzehnten diskutierte Wiederbelebung und Verlängerung der S-Bahn-Strecke von Teltow nach Stahnsdorf erscheint in einem anderen Licht. Das märkische Stahnsdorf wächst, und die Pendlerströme fordern dringend eine leistungsfähige Schienenanbindung an die Hauptstadt. Doch die Argumentation der Skeptiker gewinnt durch das Berliner U3-Debakel neues Futter. Die Befürworter der S-Bahn nach Stahnsdorf müssen nun befürchten, dass auch ihr Projekt bei der nächsten Wirtschaftlichkeitsprüfung durchfällt, wenn bereits ein minimaler Netzlückenschluss in Berlin an der Finanzierung scheitert.
PM/Kü
Bild: Mexikoplatz (Foto Wikipedia)


