Prioritäten-Irrsinn in Stahnsdorf

Ein Kommentar

STAHNSDORF.   Man muss kein Haushaltsexperte sein, um zu erkennen, dass in Stahnsdorf die Prioritäten verrutschen. 350.000 Euro Bundesmittel für eine Neugestaltung des Friedrich-Weißler-Platzes klingen im ersten Moment verlockend. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Vorhaben jedoch als teure Kosmetik an der falschen Stelle, während an anderer Ecke echte Großbaustellen warten, zum Beispiel das S-Bahnumfeld.

Der Friedrich-Weißler-Platz ist kein städtebaulicher Schandfleck. Im Gegenteil: Er funktioniert. Erst 2023 flossen fast 290.000 Euro in den barrierefreien Umbau der Bushaltestellen. Wer dort umsteigt, tut dies bereits sicher und modern. Zudem leidet der Platz nicht unter der oft beklagten Beton-Tristesse moderner Innenstädte. Er besitzt alten Baumbestand und gewachsene Grünflächen. Hier nun mit dem Bagger anzurücken, birgt eher die Gefahr von Verschlimmbesserungen und unnötiger Versiegelung, als dass es echten Mehrwert bringt.

Gleichzeitig schaut die Gemeinde auf ihr wichtigstes Sorgenkind: das Bürgerhaus. Stahnsdorf wartet dringend auf dieses soziale und kulturelle Herzstück für Vereine, Bürger und Kultur. Doch statt alle finanzielle und administrative Kraft in die Fertigstellung und Absicherung dieses Großprojekts zu stecken, leistet man sich den Luxus einer Zweitsanierung eines bereits intakten Platzes.

Auch das Argument, es handele sich um „geschenktes“ Geld aus einem Bundessondervermögen, zieht nicht. Jedes Förderprojekt bindet kommunale Verwaltungskapazitäten, die beim Bürgerhaus dringender gebraucht werden. Zudem fließen Gelder so oder so aus den Taschen des Steuerzahlers. Dann lieber dorthin, wo sie wirklich gebraucht werden. 

Zu allem Überfluss ignoriert die Planung auch die unmittelbaren Folgen für den Alltag: Ein Umbau wird unweigerlich zu weiteren massiven Verkehrsbelastungen führen. Der Platz ist ein zentraler Nadelöhr-Knotenpunkt für Busse und Pendler. Ihn erneut für Monate zur Baustelle zu machen, bedeutet Staus, Umleitungen und Nervenproben für alle Verkehrsteilnehmer – und das für ein Projekt, das niemand zwingend braucht.

Stahnsdorf braucht kein weiteres Prestigeprojekt auf einer ohnehin funktionierenden Verkehrsinsel. Die Gemeinde muss endlich Mut zur Lücke beweisen, d.h., den Friedrich-Weißler-Platz so lassen, wie er ist – nämlich grün und altbewährt –, und alle Energie in das Bürgerhaus und die anderen anstehenden Projekte stecken. Alles andere wird der Gemeinde böse auf die Füße fallen. 

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