Bundeswehr im Schneckentempo

Ein Kommentar

STAHNSDORF.  Die Zeitenwende rollt durch Deutschland, allerdings mit der Geschwindigkeit einer Weinbergschnecke im Gegenwind. Bestes Beispiel: Die ehemalige militärische Liegenschaft in Stahnsdorf auch bekannt als Telekom-Gelände. Während die weltpolitische Lage nach Tempo verlangt, setzt das Verteidigungsministerium in Kooperation mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf die schärfste Waffe der deutschen Bürokratie: das gründliche, jahrelange und vor allem lautlose Prüfverfahren.

In einer aktuellen Antwort an den BÄKE Courier gibt sich das Ministerium gewohnt dynamisch. Man befinde sich in einem „geordneten Prozess“, und das seit vier Jahren. Die gute Nachricht vorweg: Nach einer ersten „Erst-Bewertung“ eignet sich die Kaserne in Stahnsdorf grundsätzlich für die Bundeswehr. Die schlechte Nachricht: Eine Entscheidung steht komplett in den Sternen. Es fehle nämlich noch die „umfassende Überprüfung der Bedarfe und der konkreten Eignung vor Ort“. Auf Deutsch: Man weiß, dass dort eine Kaserne steht, hat es aber noch nicht geschafft, jemanden mit einem Klemmbrett vorbeizuschicken.

Strategen und Experten blicken derweil mit Humor auf den exklusiven Zeitplan der Truppe. Geht man nach den aktuellen bürokratischen Laufzeiten, ergibt sich für die kommenden Jahre ein strategisch völlig neues Szenario:

  • 2026: Die Bundeswehr prüft intensiv die Liegenschaftsparameter.
  • 2028: Ein erster Vor-Ort-Termin scheitert, weil der Schlüssel für das Haupttor beim Bundesamt für Infrastruktur unauffindbar ist.
  • 2029: Der Russe greift an. Die Alarmketten im Baltikum rasseln. In Stahnsdorf wird zeitgleich die zweite Stufe des Prüfungsverfahrens eingeleitet.
  • 2032: Während die geopolitische Lage längst neu geordnet wurde, stimmt die BImA das finale Brandschutzkonzept für die leerstehenden Stahnsdorfer Gebäude ab.
  • 2035: Der Abschlussbericht geht in die Ressortabstimmung.
  • 2039: Die Kaserne wird feierlich bezogen. Mit frischer Wandfarbe und modernen Faxgeräten ist der Standort Stahnsdorf endlich bereit, den Konflikt von vor zehn Jahren abzuwehren.

Damit niemand den geordneten Tiefschlaf stört, zieht das Ministerium direkt eine Mauer des Schweigens hoch: „Details dieses Entscheidungsprozesses werden grundsätzlich nicht kommuniziert.“ Fazit: Die Bundeswehr prüft so lange, bis der Krebs auf dem Berg pfeift. Moskau bricht vor Lachen zusammen. 

Herzlich

Ihr Christian Kümpel

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