„Tage der Demokratie“

Ein vermeintlicher Schicksalstag wird betrachtet

KLEINMACHNOW.   Es ist ein ambitioniertes und in dieser Form neues Projekt, das vom 1. bis zum 18. November die Gemeinde Kleinmachnow bewegt. Unter dem Titel „Tage der Demokratie“ ist es einem breiten gesellschaftlichen Bündnis gelungen, ein Programm aus 15 Ausstellungen, Lesungen, Filmen und Diskussionsrunden auf die Beine zu stellen. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei ein ganz besonderes Datum: der 9. November.

Die Verbindung der historischen Ereignisse, die auf diesen Tag fallen, liest sich wie ein Zeitraffer der deutschen Geschichte. Die blutige Niederschlagung der Märzrevolution 1848, der Matrosenaufstand 1918, der gescheiterte Hitler-Putsch 1923, die Novemberpogrome 1938 und schließlich der Fall der Mauer 1989. Die Veranstalter – darunter der KultRaum Kleinmachnow e.V., Die Brücke, die Neuen Kammerspiele und die Kreisvolkshochschule – nutzen dieses Datum, um die Entstehung und Entwicklung demokratischer Strukturen in den Mittelpunkt zu rücken.

Dabei wirft die Ballung der Ereignisse an genau diesem Kalendertag auch eine faszinierende, strukturanalytische Frage auf: Ist der 9. November ein kausaler „Schicksalstag“, oder bewegt sich die Debatte im Bereich einer politischen Apophänie? In der Psychologie und Systemtheorie beschreibt die Apophänie das menschliche Bestreben, Muster und Sinnzusammenhänge in Daten oder Ereignissen zu erkennen, die primär unabhängig voneinander stattfinden.

Dass Hitler den 9. November für seinen Putsch wählte, war eine bewusste historische Bezugnahme auf die Republikgründung von 1918. Dass die Mauer jedoch ausgerechnet an diesem Tag fiel oder Robert Blum 1848 exekutiert wurde, ist das Ergebnis historischer Kontingenz – Ereignisse, die historisch möglich, aber nicht zwangsläufig miteinander verknüpft waren. Die „Tage der Demokratie“ spüren genau diesem Spannungsfeld nach. 

Nach ersten kleineren Vorläufern im vergangenen Jahr zeigt sich die Initiative 2026 stark gewachsen. Unterstützt von der Gemeindeverwaltung und der Kirche, ist das erklärte Ziel für das kommende Jahr bereits formuliert: Es sollen noch mehr Vereine und vor allem die lokalen Schulen für das Projekt gewonnen werden.

Nach dem erfolgreichen Auftakt am vergangenen Sonntag steht bereits das nächste Highlight kurz bevor: Am Samstag, den 7. November um 15:00 Uhr, öffnet in den Neuen Kammerspielen die ZeitzeugInnen-Ausstellung „Im Schatten der Mauer“. Erwartet wird hierzu auch der Kleinmachnower Bürgermeister. Das gesamte Programm der Reihe ist online unter www.tagederdemokratie.de einsehbar.

PM/Kü

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

Facebook
Twitter
LinkedIn