Stahnsdorfer Douglasie verlässt die Gemeinde

Karriere in Berlin geplant

STAHNSDORF/BERLIN.  Sie ist 20 Meter hoch, stolze 2,5 Tonnen schwer und hat ihren idyllischen Heimatort im Rosenweg verlassen, um in der großen Stadt Karriere zu machen: Eine prächtige Stahnsdorfsche Douglasie ist am Mittwoch in Richtung Bundeshauptstadt entschwebt. Ab dem 23. November wird sie als offizieller Weihnachtsbaum den edlen „Weihnachtszauber“ auf dem Berliner Gendarmenmarkt zieren.

Dass die Berliner beim Thema Weihnachtsbeleuchtung und Festtagsbäume gerne sehnsüchtig über die Stadtgrenze nach Brandenburg blicken, hat fast schon Tradition. Nach der Kanzleramt-Fichte aus Fürstenwalde (2024) und dem Grünheider Prachtexemplar (2025) darf nun also Stahnsdorf die Hauptstadt vor dem grauen November-Blues retten.

Dabei hatte der Baum in seiner Heimat eigentlich keine Zukunft mehr: Wegen eines Bauprojekts war die Douglasie ohnehin zur Fällung freigegeben. Doch statt schnöder Hackschnitzel gab es den ganz großen Auftritt. Für die Fällaktion am Mittwochvormittag musste ein kompletter Straßenabschnitt gesperrt werden. Ein Fachbetrieb legte Hand an, bevor ein riesiger Kran den Riesen majestätisch in die Höhe zog und in millimetergenauer Zentimeterarbeit auf einem Tieflader ablegte. Am späten Abend ging es dann, gut behütet und von der Polizei eskortiert, im Schwertransport ab nach Berlin.

Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers zeigte sich sichtlich bewegt und betonte stolz, wie schön es sei, dass in der Adventszeit ein echtes Stück Stahnsdorf in der Bundeshauptstadt erstrahlt.

Bei all der vorweihnachtlichen Harmonie bleibt am Stammtisch jedoch eine ganz andere, durchaus berechtigte Frage offen: Hat das chronisch chaotische Berlin diese märkische Forst-Schönheit überhaupt verdient? Immerhin geht Berlin nicht immer pfleglich mit Sachen um. Aus Berliner Parks verschwinden regelmäßig tonnenschwere Bronze-Büsten oder historische Schmuckelemente, die später als Altmetall enden. Und das ist nur ein Beispiel.

Man darf also hoffen, dass die Berliner das Geschenk aus der Nachbarschaft gebührend zu schätzen wissen – und pfleglich mit dem Stahnsdorfer Exportgut umgehen. Sonst überlegt man sich das nächste Mal wohl ganz genau, ob man noch so ein Prachtstück in die Bundeshauptstadt schickt.

PM/Kü

Bild: Transport Douglasie   (Foto Gemeinde Stahnsdorf)

 

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