Weichenstellung für Stahnsdorfs Zukunft
Planerteams aus Düsseldorf und Berlin siegen im städtebaulichen Wettbewerb
STAHNSDORF. Das geplante „S-Bahn-Quartier Stahnsdorf“ hat eine entscheidende Hürde genommen. Am 28. und 29. Mai 2026 tagte das neunköpfige Preisgericht in der alten Sporthalle der Lindenhof-Grundschule. Zuvor hatte die Bevölkerung bereits die Gelegenheit, die Planunterlagen an Schautafeln vor Pfingsten zu begutachten. Nun stehen die drei Hauptgewinner fest, die aus insgesamt 30 zugelassenen Wettbewerbsbeiträgen von Architektur- und Landschaftsplanungsbüros ausgewählt wurden.
Das Gremium setzte sich aus fünf Fachpreisrichtern (Architektur und Landschaftsarchitektur) sowie vier Sachpreisrichtern aus der Gemeindevertretung und der Verwaltung zusammen. Den Vorsitz führte die Aachener Architektin Christa Reicher. Das Verfahren wurde nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013) durchgeführt und von der Brandenburgischen Architektenkammer begleitet.
Die Preisträger im Überblick
Das Preisgericht vergab nach zweitägigen Verhandlungen drei Hauptpreise sowie sieben Anerkennungen:
- 1. Preis (45.000,- Euro):
- Städtebau: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner (Düsseldorf)
- Landschaftsarchitektur: faktorgruen Landschaftsarchitekten bdla (Freiburg)
- 2. Preis (27.000,- Euro):
- Städtebau: Machleidt GmbH Städtebau + Städteplanung (Berlin)
SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, (Berlin)
- 3. Preis (17.000,- Euro):
- Städtebau: ARGE Vn-a visual network art architecture (Berlin) mit Kollektiv B (Leipzig) und Tim Mitto (Hamburg)
- Landschaftsarchitektur: Storch Landschaftsarchitektur (Dresden)
Die Anforderungen an das 37 Hektar große Areal
Im Zentrum des Wettbewerbs stand die Entwicklung eines zeitgemäßen, nachhaltigen Konzepts für das rund 37 Hektar große Areal in zentraler Lage. Das neue Quartier soll eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Nutzungen bieten:
- Wohnen & Gewerbe: Attraktiver Wohnraum verknüpft mit gut angebundenen Gewerbeangeboten.
- Infrastruktur am S-Bahnhof: Ein funktionierendes Nahversorgungszentrum direkt am zukünftigen Bahnhof.
- Soziale & grüne Räume: Integration von Kitas, Spielplätzen und großzügigen Freiflächen.
Die Vorsitzende Christa Reicher betonte die Komplexität der Aufgabe. Gewürdigt wurden vor allem Entwürfe, die einen echten Mehrwert für die bestehende Nachbarschaft bieten und einen attraktiven Ankunftsort für den ÖPNV schaffen. Bürgermeister Bernd Albers ergänzte, dass er sich ungeachtet aller baulichen Notwendigkeiten für den „höchstmöglichen Grünanteil“ im neuen Quartier einsetzen werde.
Bürgerbefragung und nächste Schritte
Das Verfahren ist mit der Preisvergabe noch nicht abgeschlossen. Vom 13. Juni bis zum 5. Juli 2026 findet eine digitale Bürgerbefragung statt, bei der die Einwohner von Stahnsdorf die Entwürfe einsehen und bewerten können. Eine Anmeldung hierfür ist bis zum 10. Juni erforderlich. Die Ergebnisse dieser Beteiligung sollen direkt in die anstehenden Verhandlungen mit den Preisträgern einfließen.
Das nächste große Ziel ist die Ausarbeitung eines städtebaulichen Rahmenplans mit integrierter Freiraumplanung. Zu diesem Zweck wird die Gemeinde mit den Architekten in Verhandlungen treten, um eines der prämierten Büros mit der finalen Rahmenplanung zu beauftragen. Zudem ist geplant, alle ausgezeichneten Arbeiten noch im laufenden Kalenderjahr im Gemeindezentrum physisch auszustellen.
Kritische Stimmen und rechtlicher Hintergrund
Trotz des Fortschritts gibt es in Stahnsdorf auch kritische Stimmen. Einige äußern die Sorge, dass durch die Prämierung bereits vollendete Tatsachen geschaffen wurden und ein Sieger feststehe. Dem hält das Verfahren entgegen, dass die Bürgerhinweise noch eingearbeitet werden müssen und die finale Umsetzung durch Investoren oder Partner noch nicht gesichert ist.
Ein wesentlicher formeller Erfolg wird jedoch durch den Abschluss des Wettbewerbs erreicht: Die Gemeinde kann nun das städtebauliche Verfahren nach § 165 Baugesetzbuch (BauGB) abschließen. Dieses regelt die formalen Voraussetzungen und städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen rund um die S-Bahn-Flächen, einschließlich umfangreicher Grundstücksenteignungen.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


