Millioneninvestitionen in Stahnsdorf

Was die Gemeinde plant und wo gespart werden muss

STAHNSDORF. Die Wunschliste der Gemeinde ist lang, das Budget jedoch endlich. Mit einem Gesamtvolumen von exakt 5.920.000 Euro, circa 700.000 Euro über dem sogenannten Sondervermögen, listet die aktuelle Beschlussvorlage der Gemeinde eine Vielzahl von Bau-, Sanierungs- und Infrastrukturmaßnahmen auf. Während einige Großprojekte bereits beschlossene Sache sind, stehen die Weichen für das Jahr 2026 im Zeichen von Energieeffizienz, Sportförderung und dem dringend notwendigen Straßenausbau. Doch das emotionalste Thema der Debatte bleibt die Zukunft des Dorfplatzes 2, die ehemalige Feuerwache.

Kurswechsel beim Bürgerhaus: Neubau statt Risiko-Sanierung

Ursprünglich reichten die Pläne für das künftige Bürgerhaus am Dorfplatz 2 weit über das aktuelle Vorhaben hinaus. Nun liegt der Fokus jedoch auf einer harten Realität: Die weiteren Bauabschnitte 2, 3 und 4 sind vorerst vom Tisch. Sie wurden explizit aus dem aktuellen Beschluss ausgeklammert und in die ferne Zukunft verschoben – genauer gesagt so lange, bis sich die kommunale Haushaltslage spürbar verbessert hat.

Hintergrund dieser Entscheidung ist das unkalkulierbare Kostenrisiko, das Sanierungen von Altbauten stets mit sich bringen. Teile der Gemeindevertretung setzten sich deshalb mit dem Wunsch durch, das Projekt komplett von hinten aufzurollen. Statt mit der Sanierung des Bestands zu beginnen, wird nun unter der Position 1 der Prioritätenliste der 1. Bauabschnitt vorgezogen: Ein reiner Neubau.

Für eine grobe Kostenschätzung von 1,56 Millionen Euro soll entlang der Grundstücksgrenze zum Dorfplatz ein neues Gebäude entstehen. Das Herzstück bildet ein 11 Meter mal 20 Meter großer Mehrzweckraum. Um die geplanten 220 Quadratmeter Nutzfläche voll auszuschöpfen, greifen die Planer zu einem pragmatischen Kniff: Die Sanitäranlagen der ehemaligen Jugendfeuerwehr werden über einen kurzen, überdachten Laubengang entlang der Grundstücksgrenze reaktiviert und angebunden. Auch eine kleine Teeküche soll dort ihren Platz finden.

Die Zukunft bleibt Zukunft: Die Pläne für die alte Scheune

Was mit dem Rest des Areals passiert, steht in den Sternen. Die Planung für den 2. Bauabschnitt existiert zwar auf dem Papier, ruht aber auf unbestimmte Zeit. Vorgesehen ist hier die aufwendige Sanierung der ehemaligen Fahrzeughalle – einer alten Scheune aus dem Jahr 1897. Sie soll eigentlich zu einem zweiten, größeren Veranstaltungsraum umgebaut werden.

Die To-Do-Liste für diesen Abschnitt ist lang und teuer:

  • Substanzprüfung: Umfassende Untersuchung der historischen Bausubstanz.
  • Kernsanierung: Komplette Erneuerung von Fassade, Elektrik, Abwasser- und Trinkwasseranlagen.
  • Rückbau & Verkauf: Abriss des alten Werkstattraums an der Wilhelm-Külz-Straße. Der dadurch entbehrliche hintere Grundstücksteil soll an einen benachbarten Gewerbebetrieb veräußert werden, der bereits Kaufinteresse signalisiert hat.

Das 2026er-Paket: Straßen, Sport und Sonnenenergie

Während das Bürgerhaus die Gemüter erhitzt, rollt im Jahr 2026 eine Investitionswelle auf die Ortsteile zu. Allein für den Ausbau von Straßen (nach Prioritätenliste und Wirtschaftlichkeit) ist mit einer runden Million Euro der größte Einzelposten des Jahres reserviert. Weitere 500.000 Euro fließen in den Ausbau der Feuerwache Güterfelde.

Auch Radfahrer dürfen sich freuen: Für 200.000 Euro soll ein beleuchteter Radweg zwischen Güterfelde und Stahnsdorf hergestellt werden – ein wichtiges Plus für die Verkehrssicherheit in den Abendstunden. Dem Thema Nachhaltigkeit wird mit 100.000 Euro für neue Photovoltaikanlagen zur Steigerung der und Eigenverbrauchseffizienz Rechnung getragen.

Große Summen fließen zudem in den Lokalsport:

  • RSV Kunstrasenplatz: 240.000 Euro
  • Kunstrasenplatz Schenkenhorst (inklusive Flutlichtanlage): 320.000 Euro

Blick in die Vergangenheit: Altprojekte belasten das Budget

Einige Maßnahmen sind bereits seit Jahren in der Pipeline und binden Kapital, wie die Erschließung von Straßen aus 2017 (500.000 Euro) oder die Neubepflanzung der Potsdamer Allee aus dem Jahr 2021 (600.000 Euro). Auch die neue Tribüne am Sportplatz in der Heinrich-Zille-Straße schlägt mit 550.000 Euro zu Buche. Ob man mit dem Geld auskommt, bleibt abzuwarten. Immerhin ist es nicht ungewöhnlich, dass öffentliche Projekte teurer werden als geplant.

Die kommenden Debatten im Gemeinderat werden nun zeigen, ob der Sparkurs beim Bürgerhaus ausreicht, um das ambitionierte Gesamtpaket ohne finanzielle Schlingerkur durchzubringen. Die Einwohner von Stahnsdorf müssen sich jedenfalls darauf einstellen, dass ihr neues Zentrum vorerst nur in Teilen fertig wird. Und darauf, dass nach diesem Ausgabenrausch vielleicht ein Kater folgt. Denn Geld für die S-Bahn ist überhaupt nicht vorgesehen. 

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

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