Politik zum Anfassen oder Störfaktor beim Feiern?

Stahnsdorf diskutiert über Gemeindevertreter-Stand beim Familienfest

STAHNSDORF. Die Kommunalpolitik in Stahnsdorf will Gesicht zeigen – doch die Pläne für das anstehende Familienfest am 12. September spalten die Gemüter. Nach dem Willen einer Mehrheit der Gemeindevertreter soll auf der Veranstaltung ein eigener Informationsstand aufgebaut werden. Das Besondere daran: Die Politiker wollen dort komplett partei- und fraktionsübergreifend auftreten. Sichtbare Logos oder Banner von Parteien wird es nicht geben, stattdessen stehen kleine Präsente und der direkte Bürgerdialog im Vordergrund. Während die Befürworter eine Chance für mehr Bürgernähe sehen, regt sich auch deutliche Kritik.

Die Befürworter des überparteilichen Standes verfolgen ein klares Ziel: Sie wollen Kommunalpolitik nahbar und greifbar machen. Abseits von starren Sitzungssälen und formellen Einwohnerfragestunden soll im ungezwungenen Rahmen des Familienfestes die Hemmschwelle für ein Gespräch sinken. Ein gemeinsamer Stand, so das Argument, setze zudem ein starkes Zeichen für die Demokratie vor Ort. Es demonstriere den Bürgern, dass die gewählten Vertreter trotz inhaltlicher Differenzen geschlossen für das Wohl der Gemeinde Stahnsdorf einstehen und ansprechbar sind. Für viele Menschen könnte dies eine Gelegenheit sein, die ehrenamtliche Arbeit der Gemeindevertretung überhaupt erst kennenzulernen und Frust abzubauen.

Doch das Vorhaben stößt nicht überall auf Gegenliebe. Kritische Stimmen aus den Reihen der Politik und der Einwohnerschaft betonen, dass Kommunalpolitik durch die tägliche Berichterstattung, Baustellen und Beschlüsse ohnehin schon im Alltag allgegenwärtig sei. Ein Familienfest solle in erster Linie ein Raum für Entspannung, Kultur und das Miteinander sein – frei von politischer Präsenz.

Zudem wird die versprochene Neutralität angezweifelt. Da viele Gesichter der lokalen Politiklandschaft im Ort bekannt sind, befürchten Kritiker eine Art „versteckten Wahlkampf“. Zudem drohe die politische Harmonie-Offensive den echten Diskurs zu verwässern: Wenn die Parteizugehörigkeit komplett ausgeblendet wird, bleibt für den Bürger unklar, wer eigentlich für welche politischen Entscheidungen in der Gemeinde die Verantwortung trägt. Schlimmstenfalls, so die Befürchtung, könnten emotionale Debatten über strittige Ortsthemen die unbeschwerte Feststimmung belasten.

Ob der Vorstoß Früchte trägt und zu konstruktiven Gesprächen führt oder ob Zuckerwatte, Bratwurst und Musik den politischen Akteuren den Rang ablaufen, wird sich zeigen. 

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

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