Zank um Stahnsdorfs S-Bahn-Zukunft
Wie weiter mit der Iserstraße?
STAHNSDORF. Die Würfel für den zukünftigen S-Bahn-Anschluss der Region scheinen auf planerischer Ebene weitgehend gefallen zu sein – doch politisch sorgt die Verkehrsführung weiterhin für heftigen Zündstoff. Im jüngsten S-Bahnausschuss der Gemeinde prallten die offiziellen Pläne des städtebaulichen Wettbewerbs und die Forderungen der lokalen Politik unübersehbar aufeinander.
Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wo die zukünftigen Pendlerströme abgefangen werden sollen. Während die offiziellen Ausschreibungen der städtebaulichen Planung die Sputendorfer Straße als zentralen Verkehrshub vorsehen, favorisiert die SPD-Fraktion eine andere Lösung: Sie sieht die Haltestelle Iserstraße/Biomalzspange als deutlich besser geeignet an, um den prognostizierten Verkehr verträglich aufzunehmen. Einen entsprechenden Antrag stellte die Fraktion in der Sitzung vorerst zurück – wohl auch, weil die Bürgermeister der Orte Teltow und Stahnsdorf noch über einen Flächentausch sprechen.
Dass die betroffenen Anwohner der Sputendorfer Straße den Verkehr lieber an der Iserstraße sehen würden, liegt auf der Hand. Viele Eigentümer, deren Grundstücke unmittelbar an die geplante Trasse grenzen, fühlen sich von den Behörden übergangen und nicht ausreichend mitgenommen. Um den wachsenden Sorgen der Bürger zu begegnen, kündigte die SPD im Ausschuss an, sich verstärkt für die Belange der Betroffenen einzusetzen. Mithilfe eines neu zu gründenden Anwohnerbeirats soll den Bürgern vor Ort eine spürbare Stimme gegeben werden.
Kritiker bemängeln jedoch, dass dieser Schritt reichlich spät kommt. Da die städtebauliche Rahmenplanung bereits auf die Sputendorfer Straße als primären Knotenpunkt ausgerichtet ist, dürfte der Spielraum für fundamentale Änderungen minimal sein. Für eine großflächige Verkehrsverlagerung zur Iserstraße scheint der Zug bereits abgefahren zu sein. Dem zukünftigen Beirat, falls er wirklich etabliert wird, dürfte somit vor allem die Aufgabe zufallen, bei der Detailgestaltung – wie etwa dem Lärmschutz und den Zuwegungen – das Beste für die Anwohner herauszuholen.
Eine völlig neue Dynamik und eine etwas andere Perspektive brachte Thomas Ehrich, der Vorsitzende des S-Bahn Vereins, in die Diskussion ein. Nach seiner Auffassung greift der Fokus auf nur einen Standort zu kurz. Er forderte im Ausschuss eine schnellstmögliche Bebauungsplanung für die Iserstraße, um zwingend auch die beträchtlichen Pendlerverkehre aus Richtung Potsdam zu berücksichtigen.
Hinter diesem Vorstoß steckt eine strategische Rechnung: Rechnet man die zu erwartenden Passagierzahlen der Sputendorfer Straße und die Pendlerströme an der Iserstraße zusammen, ergibt sich eine ganz andere Größenordnung. Nur durch diese Bündelung, so Ehrich, erreiche man die notwendigen Nutzerzahlen bei der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU/NKI), um überhaupt eine der essenziellen Finanzierungen durch den Bund zu erzielen. Sein Plädoyer war daher eindeutig: Man müsse beide Bahnhöfe so attraktiv wie möglich gestalten, um das gesamte Bahnprojekt für die Planer unabweislich zu machen. Das Gezänk um das „Entweder-oder“ könnte sich somit noch zu einer Debatte über ein „Sowohl-als-auch“ entwickeln.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


