Papiertiger vorerst ausgebremst
Bürgermeister stellt Teltows neuen „Super-Präventionsrat“ zurück
TELTOW. Die Stadt Teltow baut um – doch beim Präventionsrat zieht der Bürgermeister vorerst die Notbremse. Eine aktuelle Beschlussvorlage sollte das seit 2017 bestehende Gremium von der reinen Kriminalprävention zu einer Art Allzweck-Ausschuss aufwerten. Nach Kritik an der drohenden Verzettelung wurde die Vorlage nun zurückgestellt. Ein überfälliger Schritt, denn der Entwurf las sich wie das Wunschkonzert einer überforderten Kommunalpolitik.
Von Kinderschutz über Integration bis hin zu Gesundheit und Extremismusbekämpfung: Die Liste der neuen Aufgaben für den Teltower Präventionsrat war lang. Doch hinter den wohlklingenden Phrasen von Ganzheitlichkeit und Vernetzung verbarg sich vor allem eines: die Gefahr der totalen Verwässerung. Dass die Vorlage nun vom Bürgermeister zurückgestellt wurde, zeigt, dass die Warnsignale im Rathaus angekommen sind.
Bisher war die Aufgabe des Gremiums klar umrissen: Kriminalität verhindern, bevor sie entsteht. Nun sollte der Präventionsrat plötzlich alles richten, was in der Gesellschaft im Argen liegt. Wenn ein einziger Rat für Kriminalität, Sucht, Integration, Gesundheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gleichzeitig zuständig sein soll, läuft er Gefahr, für gar nichts mehr richtig zuständig zu sein.
Besonders kritisch bleibt die geplante Struktur, die nun noch einmal überdacht werden muss. Der Rat soll fachübergreifend und themenbezogen arbeiten, ständig neue Akteure, Vereine und sachkundige Einwohner hinzuziehen. Was als Flexibilität angepriesen wird, droht in der Praxis im bürokratischen Chaos zu enden. Je mehr Köpfe am Tisch sitzen, desto schwerer wird es, konkrete Maßnahmen zu beschließen. Ohne straffe Führung verkommt der Präventionsrat zu einer reinen Debattierbude, in der viel geredet, aber wenig bewegt wird.
Zudem wirft das Vorhaben die entscheidende Frage auf, an der es nun wohl auch vorerst gescheitert ist: Woher kommen die Ressourcen? Die Zusammenlegung und Erweiterung der Themen sollte laut Text vorhandene Ressourcen bündeln. Im Klartext bedeutet das meistens: Mehr Aufgaben für dasselbe Geld und dasselbe Personal. Weder die Stadtverwaltung noch die ohnehin belasteten sozialen Träger und Schulen haben auf diese Mammutaufgabe gewartet.
Die Pause, die der Bürgermeister dem Verfahren durch die Zurückstellung nun verschafft hat, ist die Chance für einen Realitätscheck. Prävention ist wichtig, keine Frage. Aber sie braucht Fokus, klare Verantwortlichkeiten und echtes Geld, nicht nur neue Plattformen für den Informationsaustausch. Die Stadtverordneten und die Verwaltung müssen genau hinschauen, wie es weitergeht. Teltow braucht ein wirksames Werkzeug – und kein bürokratisches Monster, das am Ende an seinen eigenen Ansprüchen scheitert.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


