Großprojekt mit großen Hürden

Stahnsdorfs neuer Riesen-Rewe bringt monatelanges Verkehrschaos

GÜTERFELDE.  Der Bau des ersten Vollversorgers für die Gemeinde Stahnsdorf geht in die heiße Phase. Bis April 2027 errichtet der Handelsriese Rewe an der Berliner Straße einen rund 2.500 Quadratmeter großen Markt inklusive 92 Parkplätzen. Doch was nach komfortablem Einkaufen für die Zukunft klingt, beschert den Anwohnern und Pendlern schon jetzt massive Belastungen. Um eine Abbiegespur für den Markt zu bauen, wird die Berliner Straße ab dem 22. Juni 2026 bis voraussichtlich zum 4. September 2026 voll gesperrt. Ein kritischer Blick auf ein Projekt, das die Geduld der Region auf eine harte Probe stellt.

Die Baustelle liegt direkt an der viel befahrenen Abfahrt „Güterfelde“ der Landesstraße 40 (L40). Dass nun ausgerechnet eine Vollsperrung nötig ist, um den Rückstau in den Kreuzungsbereich L40/L77 künftig zu verhindern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Um den Verkehr im Jahr 2027 zu entlasten, wird er im Sommer 2026 komplett abgewürgt. Die offizielle Umleitung führt über die Großbeerenstraße in Richtung Marggraffshof und die L40-Abfahrt „Stahnsdorf“. Damit verlagert sich der Pendlerstrom mitten in die Wohngebiete.

Für die Anwohner der Großbeerenstraße bedeuten die kommenden Monate erheblichen Stress. Zwar gelten zwischen Berliner Straße und Mühlenfichten ein absolutes Halteverbot und Tempo 30, doch die Lärm- und Abgasbelastung durch das erhöhte Verkehrsaufkommen wird massiv ansteigen. Zudem fallen wichtige Parkplätze am Straßenrand für die Anwohner temporär ersatzlos weg. ob die Kontrollen ausreichen, um das Tempolimit in der Praxis auch durchzusetzen, bleibt abzuwarten.

Besonders hart trifft die Sperrung den öffentlichen Nahverkehr. Zwar wurde der Baustart für den ÖPNV clever auf den Beginn der Sommerferien (9. Juli 2026) geschoben, dennoch fallen bis zum 4. September wichtige Achsen weg. Die Linien 624 und 627 müssen weiträumig umgeleitet werden.

Folgende Haltestellen werden wochenlang überhaupt nicht bedient:

  • Güterfelde, Sägewerk
  • Stahnsdorf, Florastraße

Wer hier wohnt und auf den Bus angewiesen ist, hat das Nachsehen. Die Linien fallen mitten in der Ferienzeit weg, was auch Jugendliche und Berufstätige ohne Auto vor logistische Probleme stellt. Der Verweis darauf, dass die Haltestellen „Hildegardstraße“ und „Annastraße“ weiterhin von der Linie 622 angefahren werden, ist nur ein schwacher Trost für die abgehängten Bereiche.

Ein Vollversorger ist für die Infrastruktur von Stahnsdorf ein Gewinn. Die Frage ist jedoch, ob die Dimensionen von 2.500 Quadratmetern Verkaufsfläche an diesem sensiblen Knotenpunkt richtig dimensioniert sind. Dazu kommt: Seit wann werden Vollversorger soweit von Ortszentrum gebaut?  Die kommenden elf Wochen Vollsperrung werden zeigen, wie krisenfest das regionale Straßennetz ist. Für die Bürger bedeutet das Projekt vor allem eines: Lange Staus, Umwege und Lärm für den Traum vom neuen Supermarkt in Güterfelde.

PM/Kü

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

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