Digitale Bürgerinformation oder Internetwüste?

Die Webseiten der Teltower Parteien im Check

TELTOW.   Wer wissen möchte, wer in Teltow politisch das Sagen hat, findet im Netz schnell die üblichen Gesichter. Doch wer verstehen will, warum im Rathaus wie entschieden wird, scheitert oft an den offiziellen Webseiten der lokalen Parteien. Eine kritische Bestandsaufnahme der digitalen Auftritte von SPD, CDU, Grünen und FDP in Teltow zeigt: Nach dem Wahlkampf verharren die Homepages meist im digitalen Dornröschenschlaf. Statt lebendiger Debattenorte bieten die Parteien ihren Bürgern oft nur statische Visitenkarten und veraltete Inhalte.

Der „Nach-Wahlkampf-Blues“: Wenn die Luft raus ist

Das größte Problem der Teltower Parteiseiten ist ihre zyklische Relevanz. Vor Kommunal- oder Landtagswahlen glänzen die Portale mit bunten Flyern, knackigen Slogans und aktuellen Terminen. Ist die Wahl vorbei und sind die Posten verteilt, bricht die Informationskette abrupt ab.

Relevante Anträge aus der Stadtverordnetenversammlung (SVV), kontroverse Debatten um Schulsanierungen, den Wohnungsbau oder die Verkehrsplanung sucht man auf den Startseiten oft vergebens. Die Homepages wirken wie Archive der letzten Kampagne, nicht wie das pulsierende Herz lokaler Demokratie.

Die Parteien im digitalen Kreuzfeuer

  • SPD Teltow – Die verblasste Fraktionsmacht: Als stärkste Kraft in der SVV müsste die SPD Teltow eigentlich als digitaler Vorreiter vorangehen. Die Struktur der Seite steht, doch inhaltlich bleibt sie hinter ihren Möglichkeiten zurück. Statt eigene, komplexe Teltower Anträge verständlich aufzubereiten, spiegeln sich hier zu oft allgemein gehaltene Pressemitteilungen der Landesebene. Lokale Tiefe? Fehlanzeige.
  • CDU Teltow – Gefangen im Menü-Dschungel: Der Webauftritt des CDU-Stadtverbandes kämpft spürbar mit der Usability. Wer konkrete Oppositionsarbeit sucht, muss sich durch verschachtelte Untermenüs klicken. Hinzu kommt das Phänomen der digitalen Altlasten: Kampagnen oder Gesichter vergangener Bürgermeisterwahlen blockieren teils monatelang prominenten Platz, der eigentlich für aktuelle Teltower Themen gebraucht würde.
  • Bündnis 90/Die Grünen Teltow – Das lückenhafte Öko-Blog: Die Grünen nutzen zwar das bundesweit einheitliche, moderne Design, lassen es auf lokaler Ebene aber an Pflege vermissen. Das Archiv der Teltower Initiativen ist lückenhaft. Wer herausfinden will, welche umwelt- oder verkehrspolitischen Akzente die Fraktion aktuell im Rathaus setzt, stößt schnell auf verwaiste Beitragslisten.
  • FDP Teltow – Das digitale Phantomschmerz-Prinzip: Optisch kommt die FDP Teltow schlank und modern daher. Doch die Veröffentlichungsfrequenz gleicht einer Fieberkurve. Zu Haushaltsdebatten oder Großevents gibt es Content, in den Wochen und Monaten dazwischen herrscht oft absolute Funkstille. Konstante Bürgerinformation sieht anders aus.

Das Problem: Die Flucht auf Social Media

Ein Hauptgrund für die Verwahrlosung der klassischen Webseiten ist die Abwanderung der Parteien auf Instagram und Facebook. Dort wird schnell ein Foto gepostet, dort gibt es schnelle „Likes“.

Diese Strategie ist jedoch fatal. Sie schließt gezielt alle Bürgerinnen und Bürger aus, die keinen Account bei den großen US-Konzernen besitzen oder besitzen wollen. Zudem taugen Social-Media-Feeds nicht zur strukturierten Information: Ein komplexer Antrag zur Stadtentwicklung lässt sich nicht in einer dreizeiligen Instagram-Caption erklären. Die Homepage müsste der zentrale, barrierefreie Ankerpunkt sein – Social Media nur der Wegweiser dorthin.

Bild: Symbolbild    (Foto Pixabay)

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