Kommunisten als Namensgeber
FDP fordert Umbenennung auch in der Region
BRANDENBURG. Zum 65. Jahrestag des Berliner Mauerbaus am 13. August weist die FDP Brandenburg auf ein ungelöstes Problem hin: In insgesamt 18 Städten und Gemeinden des Landes tragen Straßen nach wie vor den Namen des ersten und einzigen DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Der Landesverband fordert die betroffenen Kommunen nun nachdrücklich zur Umbenennung auf und knüpft damit an eine eigene Erhebung aus dem Frühjahr 2024 an.
Das amtliche Straßenverzeichnis des Landes Brandenburg offenbart die anhaltende Präsenz von Symbolen der totalitären Vergangenheit im öffentlichen Raum. Die Bandbreite der betroffenen Orte reicht von Cottbus über Senftenberg und Velten bis nach Stahnsdorf. Neben den 18 Wilhelm-Pieck-Straßen verzeichnet die Statistik fünf Verkehrsflächen, die nach Otto Grotewohl benannt sind (u. a. in Lübbenau und Neuruppin), fünf Lenin-Straßen sowie die deutschlandweit letzte Klement-Gottwald-Straße in Wiesenau (Landkreis Oder-Spree). Sechs weitere Kommunen, darunter Oranienburg und Wandlitz, ehren Georgi Dimitroff. In Lauchhammer sind Pieck, Lenin und Dimitroff bis heute zeitgleich im Stadtbild präsent.
Julian Regenthal-Patzak, kommunalpolitischer Sprecher der FDP Brandenburg und Ortsvorsitzender in Stahnsdorf, erklärt dazu: „Ein Straßenschild stellt eine öffentliche Ehrung dar. Punkt. Wilhelm Pieck wirkte aktiv am Aufbau der SED-Diktatur mit, trug Todesurteile gegen Unschuldige mit und lieferte Genossen im Moskauer Exil an den sowjetischen Geheimdienst aus. Otto Grotewohl trägt die politische Mitverantwortung für die blutige Niederschlagung des Volksaufstands vom 17. Juni 1953. Klement Gottwald agierte als stalinistischer Diktator in der Tschechoslowakei, während Georgi Dimitroff als Komintern-Chef Stalins Säuberungen stützte. Lenin wiederum begründete das Terrorsystem, auf das sie sich alle berufen beriefen.
Dass diese Namen im Jahr 2026 immer noch unsere Straßenschilder zieren, ist ein unerträglicher Zustand und ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer des kommunistischen Terrors. Es geht hier nicht darum, Geschichte auszulöschen, sondern darum, wem wir im öffentlichen Raum eine dauerhafte Ehre erweisen. Kommunen, die diese Symbole der Diktatur unkommentiert stehen lassen, verfehlen ihren demokratischen Bildungsauftrag. Spätestens zum 65. Jahrestag des Mauerbaus müssen die Gemeindevertretungen endlich den Mut aufbringen, diese Relikte der SED-Diktatur durch Namen zu ersetzen, die unsere freiheitlichen Werte widerspiegeln – oder zumindest durch eine historisch kritische Kontextualisierung vor Ort aufklären.“
PM
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


